documenta-Ausstellung

Mahnmal gegen die NS-Zeit: Der Aschrottbrunnen in Kassel

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Der Aschrottbrunnen heute: Die Einfassung wurde im Zuge der Erneuerung der Königsstraße gerade erst saniert. 

Die Ausstellung zur Geschichte der documenta zeigt auch ein Modell des Aschrottbrunnens. Hier wird die Idee des Kasseler Künstlers Horst Hoheisel auf den ersten Blick deutlich. 

  • Die documenta-Ausstellung in der Neuen Galerie in Kassel präsentiert viel Interessantes zu den einzelnen Kunstwerken.
  • Kasseler Künstler Horst Hoheisel versteht Aschrottbrunnen als Mahnmal gegen die NS-Zeit.
  • Ausstellung hat bisher alle Erwartungen übertroffen - Modelle sind schon Teil des Stadtbildes.

Beuys und seine 7000 Eichen, die Stühle von Ai Wei Wei, der Erdkilometer – an vielen Stationen in der Neuen Galerie rücken documenta-Kunst und jüngere Stadtgeschichte eng zusammen.

„Die Ausstellung hat bisher alle Erwartungen übertroffen“, sagt Prof. Martin Eberle, der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Dazu tragen auch die Modelle von Kunstwerken bei, die ihren Platz im Stadtbild gefunden haben.

Die Spitzhacke im schwarzen Kleinformat gehört ebenso dazu wie der Entwurf für den Rahmenbau von Haus-Rucker und Co. Auch wegen dieser Modelle lohnt sich der Besuch der Ausstellung.

Das Modell in der Ausstellung: Die Pyramide ragt in den Untergrund. 

documenta-Ausstellung: Kasseler Kunstwerke - Hintergründe verstehen

Besonders eindrucksvoll ist die aus Holz und Glas gefertigte Vorlage für den Aschrottbrunnen des Kasseler Künstlers Horst Hoheisel. Hier sieht man, was bei dem Brunnen am Rathaus im Untergrund verborgen ist.

Denn das war ja die Idee von Hoheisel, der sich intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat. Kasseler Nazis hatten im Jahr 1939 den Brunnen zerstört.

Die Begründung des damaligen NS-Gauleiters: Hitler solle, wenn er beim Reichskriegertag in Kassel auf der Rathaustreppe steht, den Judenbrunnen nicht vor Augen haben.

Aschrottbrunnen zeigt sich geschichtsträchtig

Der Brunnen war eine Spende des jüdischen Unternehmers Sigmund Aschrott aus dem Jahr 1908. Aschrott hatte das Hohenzollernviertel, den heutigen Vorderen Westen, bauen lassen, der Stadt ein großes Grundstück für die Stadthalle geschenkt und auch den Brunnen mit seiner zwölf Meter hohen Sandsteinpyramide gestiftet.

Nach der Zerstörung blieb nur das Brunnenbecken übrig. Es wurde nach dem Krieg als Blumenbeet und als Springbrunnen genutzt. An die Geschichte des Aschrottbrunnens wurde erst später erinnert.

Vor der Zerstörung durch die Nazis: So sah der Aschrottbrunnen neben dem Kasseler Rathaus bis 1939 aus. 

Das Kunstwerk von Horst Hoheisel entstand 1987, und zwar nicht als Rekonstruktion, sondern als Negativform des ursprünglichen Bauwerks. Durch die innen hohle Form einer Pyramide stürzt das Wasser nach unten.

Horst Hoheisel: Kunstwerk als Mahnmal gegen die NS-Zeit

Das sieht man aber nur, wenn man sich auf die umlaufenden Metallroste des Brunnens stellt. Deshalb ist das Modell in der Neuen Galerie durchaus hilfreich, weil es die Konstruktion auf den ersten Blick deutlich macht.

Der neue Aschrottbrunnen wurde zum Mahnmal gegen die Judenverfolgung und 2012 zu einem der Kunstwerke der documenta 13. Ein Duplikat des Modells, das jetzt in der Neuen Galerie steht, war bereits im Jüdischen Museum in New York zu sehen. 

Und noch eine Auszeichnung gab es für Horst Hoheisel: Seine Arbeit wurde in die Kunstsammlung der weltweit wichtigsten Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem aufgenommen.

Lob und Kritik: Die documenta in Kassel

Nicht nur der Aschrottbrunnen in Kassel ist Teil der umstrittenen documenta-Kunstwerke, sondern auch der Obelisk, der Mitte des Jahres an der Treppenstraße wiederaufgebaut wurde.

Diese und weitere Kunstwerke, ihre Entstehung, Vorgeschichte und Zukunft, werden in der documenta-Ausstellung in der Neuen Galerie in Kassel thematisiert.

Neue Galerie in Kassel, Schöne Aussicht 1. Di–So und feiertags 10–17 Uhr, Fr bis 20 Uhr. Eintritt: 6/4 Euro. Kinder bis 18 Jahren frei.

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