Premiere: Kasseler Museumsnacht erstmals auch im neuen Szeneviertel

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Blick in die Extase-Bar

Kassel. Erstmals in einem zuvor nicht gekannten Umfang präsentiert sich das Schillerviertel - die Gegend rund um die Erzberger Straße, Schillerstraße und Sickingenstraße - zur Museumsnacht.

Hier sind in jüngster Zeit etliche Galerien und Kunststandorte entstanden. So zum Beispiel die Galerie TAS und der Loyal Arts Club (zeigt Kunstwerke aus Holz unter dem Titel "Woodanfall" an der Schillerstraße, die Galerie Coucou an der Werner-Hilpert-Straße und das "fensterzumhof" an der Erzberger Straße in einer ehemaligen Antennenfabrik.

Das fensterzumhof im Schillerquartier ist in diesem Jahr um die Ecke gegangen und hat die benachbarten Bordellgebäude an der Wolfhager Straße 53 hinzugewonnen. Besucher der Museumsnacht werden dort im „Fo­to-Motel“ mit der Frage konfrontiert: „Wollen Sie mal ein Auge riskieren?“

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Anklänge an den ehemaligen Bordellbetrieb sind noch nicht ganz verschwunden. Der Fotograf Pitze Eckart hat in den Räumen Hinterlassenschaften und Spuren fotografiert – entstanden ist eine Fotodo­kumentation mit dem Titel „QQ66“, die man auf einer Etage des „Apartmenthauses Eva“ erkunden kann. Um 17 Uhr wird die Ausstellung eröffnet; zur Ausstellung erscheint ein kleiner Katalog. Weitere fotografische Arbeiten stellen Maria Hahn, Tanja Jürgensen und Helena Schätzle im Foto-Motel aus. Um 19 Uhr, 21.30 Uhr und um 24 Uhr liest Paul Dorn in einem Zimmer aus erotischen Kriminalgeschichten von Walter Serner.

Dr. Evelyn Lehmann, steht vor der vielleicht nicht ganz einfachen Aufgabe, in den Räumen des ehemaligen „California Clubs“ eine Führung zu Kasseler Kulturgütern hinzubekommen – um 17.30 Uhr beginnt ihre erste Plauderführung. Laura aus Milano macht Straßentheater im Hof und animiert dabei zu riskanten Kunststücken. Auch Heike Wrede setzt auf Risiko, wenn sie um 18.15 Uhr und um 19.30 Uhr schlafwandlerisch durchs Fenster tanzt.

Mehr zur Museumsnacht finden Sie im RegioWiki.

Als Musik kommt nur Jazz in Frage – und da der ungebärdige Guerilla-Jazz von Joe Bonica (Schlagzeug), Sven Grau (Tenorsaxofon) und Detlef Landeck (Posaune). Wenn man schon mal in diesem Etablissement unterwegs ist, findet man eventuell Zutritt zum Hinterzimmer, um bei einer mehr oder weniger riskanten Pokerpartie einzusteigen.

In der Garage gibt es neben Schmandkuchen und Falaffel eine Singleparade, die sich nach recht undurchsichtigen Kriterien zwischen „Heartbreak Hotel“ und „My Home is my Kassel“ bewegen kann.

Drapiert und gemixt wird um 20.30 Uhr und um 22.30 Uhr: Cocktailschürzen live drapiert von Eva Gutmeyr-Sogel, Cocktails werden serviert von Claudia und Jana. Miesmuscheln mit Klaus Müller gibt’s um 23 Uhr.

Die KVG richtet beim fensterzumhof in der Erzbergerstraße eine Sonderhaltestelle ein (Museums­NachtBus E 16); dann braucht man nur noch um die Ecke zu gehen zur Wolfhager Straße 53.

Die bekannte Clubs ARM und Lolita Bar feiern- wie immer zur Museumsnacht - ihr Hof-Fest, zu dem ebenfalls mehrere Künstler eingeladen sind.

In Extase

Tatort Extase Bar: Udo Müller, Birgit Kaiser, Henning Frölich und Mirjam Henß (im Uhrzeigersinn)

Ein Ort im Verborgenen, an den Wänden blättert die Tapete, in der Luft hängen noch Spuren von Zigarettenrauch, zerplatzten Träumen und unerfüllten Wünschen. Ein Ort der Sehnsucht, längst vergangenem Trubel, durchtanzter Nächte. Die Ekstase-Bar an der Kurfürstenstraße 3 (1. Stock links) ist ein geradezu fantastischer Ort. Einst legendärer Tempel des Kasseler Nachtlebens, dann gegen Ende des Jahrhunderts geschlossen und in Vergessenheit geraten, wurde das ehemalige Etablissement von dem Verein Labor Ost | Tanz und Theater e.V. wieder entdeckt und mit Tanz, Theater und Musik aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Die Ekstase-Bar öffnet in unregelmäßigen Abständen und nur zu besonderen Anlässen ihre Pforten. Dann gewährt sie mit ihrer Original Einrichtung aus den Fünzigern einen Blick durchs Schlüsselloch in ein Stück Kasseler (Kultur-)Geschichte und präsentiert in der Reihe Milieustudien im kleinen Kreis und ganz hautnah ungewöhnliche Tanz- und Theaterabende.

www.museumsnacht.de

Die Tanzkompanie henß & kaiser | tanzen schräg schuf 2008 eigens für die Ekstase-Bar das Tanztheaterstück "Abseits", in dem ein verlassener, herun¬tergekommener Nachtclub zur authentischen Szenerie für seltsame Gestalten wird, die sich spät in der Nacht ihren Erinnerungen hingeben und an der Theke darauf warten, dass ihr Leben eine neue Wendung nimmt.

Im "Kino der vergessenen Bilder", einer Videoinstallation des Kasseler Filmemachers Stephan Haberzettl gibt es anlässlich der Museumsnacht 2011 nun ein Wiedersehen mit den Protagonisten aus "Abseits". Auf Leinwand gebannte Fragmente, Szenen und ungesehene Momente ermöglichen neue Sichtweisen auf die theatrale Collage zwischen Melancholie und schwarzem Humor.

Von Wilhelm Ditzel

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