Sieg über den Hass: Musical „Amazing Grace“ in Kassel

Sorgten für musikalische Power: Massenchor, Orchester und das Gospelquartett mit (von links) Nyassa Alberta, Bonita Niessen, David-Michael Johnson und Peti van der Velde. Fotos: Malmus

Kassel. Keine leichte Aufgabe, die Lebensgeschichte eines britischen Seefahrers, Sklavenhändlers und späteren Pfarrers aus dem 18. Jahrhundert als großes Chormusical auf die Bühne zu bringen.

Dass man es nicht nur kann, sondern damit auch einen Riesenerfolg landen kann, hat die Uraufführung von „Amazing Grace“ am Samstag vor 5000 Menschen in der Kasseler Rothenbach-Halle gezeigt. Denn wenn ein derart fachkundiges Publikum wie die Teilnehmer des Kasseler Gospelkirchentages, die allesamt selbst in Chören aktiv sind, am Ende aufsteht und in Jubelstürme ausbricht, dann haben die Autoren Andreas Malessa (Libretto) und Tore W. Aas (Komposition) wie auch die Inszenatoren Doris Marlis (Regie) und Hans-Martin Sauter (musikalische Leitung) samt allen Akteuren (fast) alles richtig gemacht.

Ein großes Liebespaar: Lucy Scherer als Polly und Arne Stephan als John Newton.

Der britische Seefahrer und Pfarrer John Newton (1725-1807), dessen Geschichte das Musical erzählt, ist natürlich nicht irgendwer. Newton wurde nach seiner Bekehrung zu einem großen Kämpfer für die Abschaffung der Sklaverei –und er ist der Verfasser des Textes von „Amazing Grace“, des wohl bekanntesten Gospelsongs überhaupt.

Dieser Song spielt natürlich eine wichtige Rolle in dem Musical. Gleich zu Beginn, wenn er vom 300 Stimmen starken Chor erst gesummt, dann von allen in der Halle gesungen wird. Und noch einmal zum Schluss, wenn alle Darsteller nacheinander auf die Bühne kommen und jeder einige Zeilen von „Amazing Grace“ singt.

Mit einer perfekt austarierten Mischung aus Erzählung (Stimme aus dem Off), Spielhandlung, Videoeinspielungen sowie handlungstreibenden Songs, Balladen und Chornummern entsteht ein plastisches Lebensbild John Newtons. Es reicht von der Kindheit (toll der Kinderdarsteller Ben Wiedersprecher) bis zum Ende seines Lebens, das durch Großbritanniens Abschaffung der Sklaverei 1807 gekrönt wird. Ein zentrales Handlungselement ist die hindernisreiche Liebesgeschichte von John Newton und seiner späteren Ehefrau Polly.

Fotos: Premiere in Kassel

Amazing-Grace-Premiere beim Gospelkirchentag

Arne Stephan und die TV-bekannte Lucy Scherer geben diesem Paar sängerisch wie darstellerisch ein scharfes Profil. Um die inneren Kämpfe des Protagonisten zu verdeutlichen, treten die Personifizierungen von Hass (Stefan Poslovski), Angst (Susanna Panzner) und Gleichgültigkeit (Sonja Tièschky) auf, von denen sich Newton am Ende auf spektakuläre Weise lossagt.

Zusätzlich sorgt ein Gesangsquartett mit Nyassa Alberta, Bonita Niessen, David-Michael Johnson und Peti van der Velde für spektakuläre Gospelpower - und damit für die musikalischen Höhepunkte des von Darstellern, Chor, Orchester und Band insgesamt eindrucksvoll gestalteten Musicalabends.

Ein Gospelpublikum will bei einem Gospelmusical natürlich einbezogen werden. Der Komponist Tore W. Aas hat daher neben seinen eingängigen Glamrock-Chornummern, Balladen und Duetten auch ein Gospel-Medley mit bekannten Songs eingebaut, bei dem sich das Publikum lautstark ausagieren konnte. Auch deshalb kannte der Jubel am Ende keine Grenzen. (w.f.)

Infos: www.amazing-grace.de

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