Private Initiative nach Vorbildern in Berlin und London

Premiere am Holländischen Platz: Musik belebt triste Unterführung

Kultur in der Hopla-Unterführung: Die Vorstellung von den Kasselern Marc Andrejkovits (links) und Jan Krug soll der Anfang einer Bewegung sein, die mehr Leben an triste Orte bringen soll. Fotos: Herzog

Kassel. „Huch, jetzt habe ich sogar meine Straßenbahn verpasst.“ Die Studentin Hanna Lange lehnt entspannt an der gefliesten Wand der Unterführung am Holländischen Platz (Hopla) und hört fasziniert der Gitarrenmusik zu.

Für die Studentin ist es das erste Mal, dass sie an dieser schnöden Stelle unter der Erde eine Musikdarbietung erlebt. Eigentlich mag sie diesen „dreckigen, stinkenden Ort“ nicht. Aber die Idee, in Unterführungen Veranstaltungen anzubieten, findet sie super. Hanna Lange erzählt, dass in anderen Städten unter der Erde sogar Partys gefeiert werden.

Die Musik-Idee unter der Hopla-Kreuzung hatte der Auszubildende Jan Krug. Über das soziale Netzwerk Facebook lud er Musiker aus Kassel ein, zusammen mit ihm die weitläufige, recht verwahrlost wirkende Unterführung mit Klang zu beleben. „Mein Ziel ist es, junge Musiker zusammenzubringen und tristen Orten in Kassel Leben einzuhauchen“, sagt der 24-jährige Kasseler. Unterführungen müssten nämlich nichts Graues und Dunkles haben.

Dieser Meinung ist auch der Kasseler Student Raimund Rieger. „Ich finde die Idee, hier unten Musik zu machen, toll“, sagt er. In Berlin fänden überall in den Tunnels solche Events statt. In London müssten sich die Musiker die Plätze unter der Erde geradezu erkämpfen, sagt der 24-Jährige. Rieger würde es bedauern, wenn der Fuß- und Radfahrertunnel am Hopla im Zuge der Erschließung des neuen Campus Nord verschwände. „Die Unterführung ist sinnvoll. Oberirdisch ist das Überqueren viel schwieriger.“ Unterdessen lauscht der Student Tobias Herzog der Musik von den Levellers, Eddie Vedder und Eigenkompositionen, die Jan Krug und der 25-jährige Student Marc Andrejkovits mit Herzblut vortragen.

Der 26-jährige Herzog benutzt die Unterführung vor allem mit dem Rad, um dem oberirdischen Trubel zu entfliehen. Denn von der Tramhaltestelle am Hopla in Richtung Universität ist die viel befahrene Kreuzung besonders stark von Fußgängern frequentiert.

Auch er ist der Meinung, dass Veranstaltungen in Unterführungen ein tolles Angebot seien und gut funktionieren könnten. Nur die früheren Hopla-Graffiti vermisst er, seitdem die Fliesen von der Stadt ordentlich gereinigt worden sind.

Jan Krug sucht weitere junge Musiker. Kontakt sowie Fotos und Videos unter: www.myspace.com/musik.unterfuehrung

Von Beate Eder

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