Bahnhof Wilhelmshöhe soll beschallt werden – In Einkaufszentren schon üblich

Musik ist jetzt am Zug

Alexandru Gavriliu

Kassel. Zwischen den Zugdurchsagen könnten ab sofort Mozart und Beethoven auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe erklingen. Erstmals will die Deutsche Bahn den IC-Bahnhof mit klassischer Musik beschallen. Das soll nach Aussage einer Bahnsprecherin zur „Wohlfühlatmosphäre“ beitragen.

Die Musik läuft über die vorhandenen Ansagelautsprecher im Bahnhof. Für die Durchsagen wird sie unterbrochen. Vorerst handele es sich um eine Probephase von vier Wochen, sagte die Bahnsprecherin. Dann werde man anhand der Resonanz der Reisenden und Bahnhofsbesucher entscheiden, ob die Hintergrundmusik dauerhaft eingeführt wird. Dazu sollen die Kunden und Bahnhofsnutzer laut DB befragt werden. Anfang dieser Woche sollte der Testlauf eigentlich beginnen. Gestern war im Bahnhof neben der üblichen Geräuschkulisse allerdings nichts zu hören. Auf Nachfrage hieß es bei der Deutschen Bahn, es habe ein Bedienungsproblem mit der Technik gegeben. In der Testphase könne so etwas passieren. Heute solle die Musik aber wieder spielen.

Dez: Besucher bleiben länger

In Einkaufsgalerien, Modegeschäften und Supermärkten ist die Beschallung mit Hintergrundmusik längst gang und gäbe. Im Einkaufszentrum Dez in Niederzwehren wird seit Jahren dezente Musik eingespielt. „Es hat sich herausgestellt, dass die Besucher dadurch animiert werden, länger im Einkaufszentrum zu verweilen“, sagt Centermanager Alexandru Gavriliu auf Anfrage der HNA.

Eingespielt werde Instrumentalmusik, die extra für Einkaufszentren konzipiert sei. Werbung oder Moderation wie im Radio gebe es nicht, betont Gavriliu. Die Musik wechsele regelmäßig und sei auch auf die Tageszeiten und die Jahreszeiten abgestimmt – morgens ist die Musik noch ruhiger als am Nachmittag, in der Adventszeit laufen Weihnachtslieder.

Von den Kunden habe man „positive Rückmeldung“ bekommen, sagt der Dez-Manager. Auch im City-Point in der Innenstadt gehört Musik zum guten Ton. Die Einkaufsgalerie und die Tiefgarage werden mit populärer Musik beschallt. Es handele sich um Chart-Musik in gedämpfter Lautstärke, sagt Center-Chef Martin Wimberger. Damit wolle man „eine entspannte Einkaufsatmosphäre erzeugen“. Die Auswahl der Musik spiele dabei eine wichtige Rolle. „Sonst kann man auch das Gegenteil erreichen.“

Das sieht auch der Musik- und Medienwissenschaftler Dr. Cornelius Ringe von der Berliner Sound-agentur Wesound so: „Musik kann sehr wirkungsvoll sein, im positiven wie im negativen Sinn.“ Sein Leitsatz lautet: „Keine Musik ist besser als die falsche Musik.“ Bei der Klanggestaltung im öffentlichen Raum sei es wichtig, im Vorfeld Fachleute zu Rate zu ziehen und gründliche Analysen vorzunehmen. Das passiere aber oftmals nicht. ARTIKEL RECHTS

Von Katja Rudolph

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