Schülerzahlen in Kassel steigen seit Jahren stark - Leitung fordert ein eigenes Gebäude

Musikschüler in Raumnot

Musik braucht Platz: Für die Saxofon-Schüler der Georg-August-Zinn-Schule am Mattenberg ist die Raumsituation noch komfortabel. Thomas Tkacz von der Musikschule Kassel (hinten), der den Kurs unterrichtet, hält den Unterricht an sozialen Brennpunkt-Schulen für besonders wichtig. Foto: privat

Kassel. Mit jedem neuen Schüler wächst das Problem: Bei der Musikschule Kassel, deren Schülerzahl in zehn Jahren von 300 auf 1300 gestiegen ist, herrscht große Raumnot. Kein Wunder: Anders als die Musikschulen anderer hessischer Städte, steht ihr kein eigenes Gebäude zur Verfügung.

Unterrichtet wird in Klassenräumen der Schulen im Stadtgebiet. Nun hat Musikschulleiter Rolf Herbertz seine Sorgen im Kulturausschuss der Stadt vorgetragen. Während es noch keine Lösung gibt, wird die Warteliste der Musikschule immer länger.

Die Suche nach einem festen Standort und dem Ausweg aus der Raumnot läuft schon länger. Das ursprüngliche und erfolgreiche Konzept, die Schüler dort abzuholen, wo sie sind, stößt an seine Grenzen. Erstens, weil es durch die Ausweitung des Nachmittagsunterrichts an den Schulen an geeigneten Räumen für den Musikschulunterricht fehlt. Zweitens, weil die Musikschule, die bislang auch Flächen in der Musikakademie nutzte, diese bis Frühjahr 2011 für die Studenten der Akademie frei machen muss.

„Am dezentralen Unterricht wollen wir festhalten, so erreichen wir auch die Kinder, deren Eltern eine musikalisch-kulturelle Bildung nicht im Blick haben. Aber es ist Standard, dass eine Musikschule in einer Großstadt wie Kassel auch ein eigenes Haus hat“, sagt Herbertz. Ein Blick in die Region unterstreicht das Kasseler Defizit: Selbst in Kleinstädten wie Baunatal, Wolfhagen, Vellmar und Lohfelden gibt es eine - wie auch in Kassel - öffentlich geförderte Musikschule und jede hat ihre feste Anlaufstelle.

„Es muss kein 3,5 Millionen teurer Neubau wie in Baunatal sein. Eine solche Forderung ist bei Kassels Haushaltslage absurd. Aber wir leisten kulturelle Arbeit an der Basis - und die darf nicht schlechter ausgestattet sein als die Hochkultur“, sagt Herbertz. Es gebe genug leer stehende Immobilien, über die er mit der Stadt schon verhandelt habe. Bislang ohne Ergebnis.

Idee: Renthof

Eine neu ins Spiel gebrachte Idee ist der Renthof an der Brüderkirche. Das dortige Seniorenheim plant seinen Auszug. Aber auch daraus dürfte nichts werden. Aus dem Kulturamt heißt es, dass die Stadt derzeit eher einen Standort innerhalb einer Schule präferiert. „Man ist auf der Suche nach zusammenhängenden Räumen“, sagt Pressesprecherin Petra Bohnenkamp.

Rolf Herbertz Wunsch sieht anders aus: „Als Anlaufstation für Eltern und Schülern ist eine zentrale, öffentlich zugängliche Lage wichtig. Zudem brauchen wir zehn eigene Unterrichtsräume, in denen vor allem die Ensembles proben können. Für diese ist es in den Schulen zu eng“.

Für den Musikschulleiter gehen die Bemühungen im Rathaus zu schleppend voran. Zu viele Unterrichtsstunden hätten schon ausfallen müssen, weil vorgesehene Räume kurzfristig belegt waren.

Von Bastian Ludwig

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