"Techno war nicht unser Ding"

Club 130 BPM wird wieder Musiktheater: In Kassel wird wieder gerockt

+
Yippie, endlich wieder Rock im Musiktheater: Demnächst soll die Stimmung bei Fans von lauter Gitarrenmusik wieder so euphorisch werden – wie beim Abschiedsabend im Oktober 2015.

Rock statt Techno: Aus dem Club 130 BPM wird wieder das Musiktheater. Die überraschende Entscheidung des Kasseler Musik-Clubs hat auch mit dem Drogenproblem der Raver-Szene zu tun.

Als das Kasseler Musiktheater im Oktober 2015 schloss, brach für manche Rock-Fans eine Welt zusammen. „Oh nein“, schrieb eine Angela R. damals bei Facebook, „da habe ich meine Jugend verbracht.“ Dreieinhalb Jahre später sind die enttäuschten Gäste noch älter geworden, aber bald ist das MT wieder da.

Am Freitag, 5. Juli, wird aus dem Techno-Club 130 BPM, der seit dem MT-Ende in Rothenditmold residierte, wieder der alte Rock-Laden, der bereits 1986 die Massen anlockte. „Techno war einfach nicht unser Ding. Deshalb haben wir unsere Türen wieder für Alternative, Indie, Rock und Metal geöffnet“, schreiben die Betreiber auf Facebook und schrecken nicht vor großen Worten zurück: „Wir feiern das Comeback einer Ära der Kultur, der Musik und der Konzerte im Musiktheater.“

Das ist bemerkenswert in einer Zeit, in der deutschlandweit immer mehr Live-Clubs schließen, weil es sich nicht rechnet. Auch das MT versuchte in den vergangenen vier Jahren als 130 BPM, Fans elektronischer Musik anzulocken. Das hat nur bedingt geklappt. „Die Techno-Welle ist stark am Abklingen“, stellt Betreiber Joachim Batke fest, der die ehemalige Lagerhalle der Post 1994 gekauft hatte. Mittlerweile arbeitet der 61-Jährige nur noch im Hintergrund.

Für das Programm verantwortlich: Alena Brunst (links) und Miriam Herche.

Alena Brunst (24), die mit Miriam Herche nun Partys und Konzerte organisiert, sagt: „Es gab einfach zu viele Techno-Läden in der Stadt.“ Für sie und die anderen Mitstreiter war das MT nie tot: „Keiner von uns hat gesagt, dass er im 130 BPM arbeitet. Wir waren immer das MT.“

Ein weiterer Grund, dass es nun zurück in die Zukunft geht, war wohl auch die Vorliebe vieler Raver für Ecstasy und andere Drogen. „Techno ist und bleibt eine Drogenszene“, sagt Batke.

Nüchtern, aber mit viel Euphorie soll nun wieder in erster Linie zu Gitarrenmusik getanzt werden. Die ersten Live-Acts für die Herbst-Saison mit Von Wegen Lisbeth (3. Oktober), den Leoniden (6. November) und Moop Mama (21. November) sind vielversprechend.

Bei der Wiedereröffnungs-Party am 5. Juli legt unter anderem das Re.Born-DJ-Team Musik von Bands wie Bilderbuch und den Foo Fighters auf. Dass so etwas gefragt ist, haben Brunst und Herche auch bei den Retro-Abenden unter dem Motto „MT zurück für eine Nacht“ gemerkt. Nun ist das MT vielleicht für immer zurück.

Lesen Sie auch: AfD-Wähler sollen draußen bleiben: Kasseler Club protestiert gegen rechts

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.