85 Senioren nehmen an Trainingsstudie der Uni teil – Ergebnisse im September

Mit Muskeln gegen Stürze

Training gegen das Sturzrisiko: Doktorand Nils Eckardt leitet Studienteilnehmerin Freya Ritter (72) aus Ihringshausen bei den Übungen an. Sie gehört zur Gruppe, die das Kraft- und Gerätetraining absolviert. Foto: Zgoll

Kassel. Freya Ritter packt beherzt die Stange mit den Gewichten, bewegt die 30 Kilogramm gleichmäßig hoch und runter und schnauft dazu im Rhythmus. Die 72-Jährige nimmt an der Studie zur Sturzprävention teil, die derzeit am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni stattfindet.

Die Seniorin aus Ihringshausen wirkt fit und voller Elan. Dennoch hat sie Sorge, eines Tages unglücklich hinzufallen. „Man wird schon unsicherer beim Gehen“, sagt sie. „Das merke ich zum Beispiel, wenn ich die Treppe runtergehe.“ Zehn Wochen lang - noch bis Ende März - absolviert sie jetzt zweimal pro Woche ein spezielles Training im Fitness-Studio der Uni an der Damaschkestraße.

Insgesamt 85 Senioren aus der Region im Alter zwischen 65 und 80 Jahren nehmen an der Studie teil, bei der drei verschiedene Trainingsmethoden verglichen werden, um herauszufinden, welche davon Stürzen am besten vorbeugt.

Drei Methoden im Vergleich

Neben einem normalen Kraft- und Gerätetraining, wie es Freya Ritter macht, gibt es zwei weitere Methoden, bei denen Instabilitäten eingebaut sind. Eine Gruppe macht die Übungen an den Geräten zum Beispiel auf wackeligen Luftkissen unter Po oder Füßen. „Dadurch wird neben der Arbeitsmuskulatur auch die stabilisierende Muskulatur trainiert“, erklärt Prof. Armin Kibele, der die Studie leitet.

Training auf Wackelbrett

Die dritte Gruppe absolviert das sogenannte Freihantel-Training. Dabei heben die Senioren kleine Gewichte, während sie auf dem Wackelbrett stehen, einer Art kleinen Wippe. Die Studienteilnehmerinnen Ursula Lohne (68) und Petra Aulepp (69) machen darauf leichte Kniebeugen und bemühen sich, dabei nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Es ist eine Übung, die auch für geübte Sportler ungewohnt ist. Die Kasselerin Petra Aulepp hat den Eindruck, das Training wirkt: „Ich bin schon etwas weniger wackelig unterwegs, glaube ich.“

Welche Methode tatsächlich die beste vorbeugende Wirkung hat, müssen die Wissenschaftler noch herausfinden. Es sei bereits erwiesen, dass sowohl durch Krafttraining als auch durch Gleichgewichtstraining das Sturzrisiko vermindert werden kann, sagt der Sportprofessor. „Ob es einen additiven Effekt gibt, wenn man beide Methoden kombiniert, ist aber noch nicht bekannt“, so Kibele.

Im Leistungssport werde das Training mit Instabilitäten bereits angewendet. „Spitzensportler haben gute Erfahrungen damit gemacht, aber wissenschaftlich ausgewertet ist es für Sturzprävention noch nicht“, sagt Doktorand Nils Eckardt, der die Studie fachlich begleitet. Nach dem Ende der Trainingsphase wird er Anfang April in speziellen Kraft- und Gleichgewichtstests, die die Teilnehmer auch zu Beginn absolviert haben, untersuchen, ob und wie stark sich das Sturzrisiko in den drei Gruppen verringert hat.

Die Ergebnisse sollen bis September vorliegen. Dann werden die Kasseler Wissenschaftler sie beim Treffen eines internationalen Forschungsnetzwerks zur Sturzprävention vorstellen. Im nächsten Schritt soll die beste Methode in Seniorensportgruppen in die Tat umgesetzt werden.

Von Katja Rudolph

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