Ab 2014 neue Friedhofsordnung

Muslime können sich ab 2014 ohne Sarg bestatten lassen

Nach Mekka ausgerichtet: Auf dem Kasseler Westfriedhof gibt es ein muslimisches Gräberfeld mit über 100 Gräbern. Laut Friedhofsverwaltung sind die Verstorbenen dort bislang alle in einem Sarg beigesetzt worden. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Ab Anfang nächsten Jahres können sich Kasseler aus religiösen Gründen ohne Sarg bestatten lassen. Allerdings ist dies nur für Muslime möglich, die in ein Tuch gehüllt auf dem Westfriedhof beigesetzt werden sollen.

Aus zwei Kasseler Fraktionen und der katholischen Kirche kommen jetzt aber Stimmen, die sarglose Bestattung für alle Religionen und Glaubensformen zu öffnen.

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Gesetzesänderung: Bald sarglose Bestattung möglich

In der geänderten Friedhofsordnung heißt es, dass eine sarglose Bestattung „aus religiösen Gründen“ möglich ist. Der Text ist aus dem neuen hessischen Bestattungsgesetz übernommen worden, das es den Städten und Gemeinden freistellt, das Angebot auf ihren Friedhöfen zu machen. Nach Angaben des zuständigen hessischen Innenministeriums ist die Tuchbestattung nur für Angehörige von Glaubensgemeinschaften zulässig, die die sarglose Bestattung vorschreiben. „Wenn es eine Glaubensrichtung im Christentum gibt, die das vorgibt, dann wäre es auch dort möglich“, sagt Ministeriumssprecher Mark Kohlbecher. In Kassel gibt es die Tuchbestattung nur für verstorbene Muslime. Der Gemeindevorsteher muss die Glaubenszugehörigkeit des Toten bestätigen – aber nicht alle Richtungen des Islams sehen eine Beerdigung ohne Sarg vor. Die FDP-Fraktion und die Fraktion „Demokratie erneuern/ Freie Wähler“ treten dafür ein, dass die sarglose Bestattung jedem – auch Atheisten – möglich ist, der dies wünsche. Dies gebiete der Gleichbehandlungsgrundsatz. Dechant Harald Fischer von der katholischen Kirche Kassel freut sich zwar, dass die sarglose Bestattung den Muslimen in Kassel erlaubt wird. Er würde es aber richtig finden, wenn auch Christen und andere Religionszugehörigkeit dieses Recht hätten. „Ich wüsste nicht, was dagegen spricht“, sagt Fischer. Der Sarg sei keine ursprüngliche Idee der Christen. Vor 2000 Jahren seien sie auch in Tüchern beerdigt worden. (bal)

Einen Kommentar und weitere Hintergründe lesen Sie in der HNA-Montagsausgabe.

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