Rennradfahrer der Ahmadiyya-Gemeinde wollen über Islam aufklären

Muslime radeln für den Frieden quer durch Deutschland

Gestern Morgen hatten sie 180 Kilometer im Regen vor sich: Imam Sohaib Nasir (von links) und der lokale Präsident Sajid Ahmad Naseem schickten den Bundesvorsitzenden Abdullah Wagishauser und die anderen Rennradfahrer auf die Strecke.
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Gestern Morgen hatten sie 180 Kilometer im Regen vor sich: Imam Sohaib Nasir (von links) und der lokale Präsident Sajid Ahmad Naseem schickten den Bundesvorsitzenden Abdullah Wagishauser und die anderen Rennradfahrer auf die Strecke.

Vom Schwarzwald bis nach Kiel: Mit einer mehr als 1000 Kilometer langen Rennrad-Tour will die Ahmadiyya-Gemeinde für Frieden und Toleranz werben - und Vorurteile über den Islam abbauen.

Kassel – Abdullah Uwe Wagishauser weiß, dass es bis ins Ziel oft ein langer Weg ist. Der 71-Jährige hat erfolgreich fünf Ironman-Triathlons bestritten. Und er ist seit 37 Jahren Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinden.

Zum Islam konvertierte der Frankfurter, der als 68er einst in der Außerparlamentarischen Opposition aktiv war, nach einer Reise nach Indien, wo sich das spirituelle Zentrum der Ahmadiyya-Bewegung befindet. Es hat also durchaus Symbolcharakter, wenn sich Wagishauser mit 24 anderen muslimischen Rennradfahrern auf eine über 1000 Kilometer lange Tour durch Deutschland macht. Der Weg führt die Ausdauersportler von Waldshut-Tiengen an der deutsch-schweizerischen Grenze bis nach Kiel. Übernachtet wird in Moscheen. Von Montag auf Dienstag machten die Ausdauersportler in der Ahmadiyya-Gemeinde in Niederzwehren Station.

Auf ihren Trikots steht „Muslime für Frieden“. Der immer noch topfitte Wagishauser zitiert Umfragen, laut denen 60 Prozent der Deutschen Ressentiments gegenüber Muslimen haben. Die Tour soll zeigen, dass „der Islam eine Religion ist, die Frieden lehrt“. Und er ist überzeugt: „Wir bringen Leute zusammen, die eigentlich nicht mehr miteinander reden.“

Selbst im tiefsten Schwarzwald wurden die Rennradfahrer angesprochen. Wagishauser versucht dann, etwa zu erklären, dass „der Islam eine Ergänzung für die Lösung von Problemen sein kann und nicht Teil des Problems ist“.

Natürlich weiß er um die Verbrechen, die im Namen von Allah begangen werden – etwa den Anschlag eines Somaliers in Würzburg, bei dem Ende Juni drei Frauen getötet und fünf weitere Menschen schwer verletzt wurden. Nicht nur für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht viel für eine „islamistisch motivierte Tat“.

Die Kasseler Ahmadiyya-Gemeinde, die sich auch im Rat der Religionen engagiert, verurteilt den „abscheulichen Angriff“ und fordert: „Europa muss entschlossen gegen islamistische Terroristen vorgehen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Umso wichtiger ist es jetzt, in den Dialog zu treten.“

Die muslimischen Radsportler aus ganz Deutschland machen dies schon länger. 2008 fuhren sie zum ersten Mal zur Jahreshauptversammlung nach England. Seitdem sind immer mehr Radsportler dazu gekommen. Auch Fußball, Cricket und Bergsteigen wird in den 250 deutschen Gemeinden betrieben, die im Islam eine Sonderrolle einnehmen.

In vielen islamischen Staaten und besonders in Pakistan werden die Gemeindemitglieder als Nichtmuslime verfolgt, weil für sie Mohammed nicht der letzte Prophet ist. Auch unter den 420 Mitgliedern in Kassel gibt es darum viele Menschen aus dem indo-pakistanischen Raum.

Bislang halten sich die Nordhessen mit Laufen und Fußball fit, wie Imam Sohaib Nasir sagt. Er hofft aber, dass einige von ihnen bei der nächsten Deutschland-Tour dabei sind. Auch für sie wird es noch ein langer Weg. (Matthias Lohr)

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