Tegut-Vorstandsvorsitzender Thomas Gutberlet im Interview – heute Podiumsgespräch zur Filmpremiere

„Es muss nicht immer alles vorrätig sein“

Kassel. In Deutschland werden jährlich 15 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden Euro in den Müll geworfen. Dieser Lebensmittelverschwendung widmet sich eine Podiumsdiskussion am heutigen Mittwoch im Filmladen. Im Anschluss an den neuen Dokumentarfilm „Taste the Waste“ (Start 19 Uhr) wird neben dem Regisseur Valentin Thurn unter anderen Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut, diskutieren. Wir sprachen mit dem Lebensmittelhändler vorab.

Herr Gutberlet, muss ich, wenn ich um 19.55 Uhr in einen tegut-Markt komme, noch alle Obst- und Gemüsesorten vorfinden?

Thomas Gutberlet: Ich glaube nicht, dass noch sämtliche Sorten vorrätig sein müssen. Insbesondere wenn es sich um Obst und Gemüse mit Exotencharakter handelt. Aber es muss vernünftige Alternativen geben. Das heißt, wenn Sie Lust auf ein Tomatenbrot haben, dürfen wir Ihnen nicht eine Gurke verkaufen wollen. Sie sollten noch Tomaten finden – aber vielleicht nicht mehr das komplette Sortiment.

Aber wird es nicht dennoch Kunden geben, die unzufrieden sind, weil sie nicht genau das Produkt finden, das sie etwa für ein Rezept benötigen?

Gutberlet: Ja, die Kunden sind anspruchsvoller geworden und unterschiedlich kritisch. In der Beratung können wir aber helfen. Wenn jemand Geschnetzeltes sucht, aber keines mehr vorrätig ist, können wir ihm ein anderes Fleisch empfehlen und dies entsprechend zuschneiden. Oder einen Tipp geben, welche andere Salatsorte sich für sein Rezept eignet. Das Ziel ist es, ein möglichst großes Angebot zu bieten und dennoch nicht zu viel wegwerfen zu müssen. Aber eines ist klar: Auch die sorgfältigste Hausfrau wirft etwas weg.

Was kann der Lebensmittelhandel tun, damit nicht zu viel Ware entsorgt werden muss?

Gutberlet: Die schwierigsten Sortimente sind Backwaren, Obst und Gemüse. Beim Brot backen wir im Laufe des Tages nach Bedarf nach. Obst und Gemüse sind witterungsabhängig. Scheint die Sonne, sind Melonen gefragt, regnet es, verkaufen wir mehr Kartoffeln. Unsere Wurst wird ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr vorgeschnitten. Um gut zu planen, nutzen wir Programme, mit denen wir unsere Verkäufe statistisch auswerten. Je genauer unsere Vorhersage, desto weniger wird weggeworfen.

Wie viele Lebensmittel werden bei tegut jährlich weggeworfen?

Gutberlet: Das versuchen wir gerade ermitteln zu lassen. Es ist nicht ganz einfach, weil wir nicht genau wissen, wie viele Tonnen wir an die Tafeln, an Landwirte zur Kompostierung und an Biogasanlagen geben. Nur im schlechtesten Fall sollte die Ware auf der Deponie landen.

An der Podiumsdiskussion werden neben dem Regisseur Valentin Thurn und Thomas Gutberlet auch Hans-Joachim Noll (Kasseler Tafel) und Nicole Maisch (Grüne) teilnehmen.

Von Bastian Ludwig

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