Mutmaßlicher Brandstifter: Junge gab vor Kumpel an

Kassel. Dass die mutmaßlichen Brandstifter, die für die Serie im Frühjahr und Sommer 2011 in Kassel verantwortlich sein sollen, ermittelt worden sind, war die größte Überraschung am Dienstag bei der Präsentation der Kriminalstatistik im Polizeipräsidium Nordhessen.

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Kaum zu glauben: Einer der Tatverdächtigen soll damals erst 13 Jahre alt gewesen sein und 20 Brände gelegt haben. Zwei Erwachsene, ein 48-jähriger Mann aus der Trinkerszene und eine geistig verwirrte Frau (53), sollen als Trittbrettfahrer für weitere zehn Feuer verantwortlich sein. Mehrere Verletzte Die Täter hatten unverschlossene Hausflure von Mehrfamilienhäusern, zunächst vornehmlich in der Nordstadt, betreten und in Kellerabgängen und Hausfluren herumstehende Gegenstände wie Kinderwagen, Autoreifen und Regale angezündet.

Dabei waren mehrere Menschen leicht verletzt worden. Großer Schaden sei zum Glück immer durch eine frühzeitige Entdeckung abgewendet worden, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. „Wir sind davon überzeugt, die Täter ermittelt zu haben.“ Der 13-Jährige habe sich vor einem Freund damit gebrüstet, für die Brandserie verantwortlich zu sein, sagt Jungnitsch. Der Freund sei daraufhin zur Polizei gegangen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 13-Jährige für 20 Brandstiftungen bis Ende April verantwortlich war. Anschließend verschwand er drei Monate aus Kassel, weil er an einer Erziehungsmaßnahme im Ausland mit sogenannter Erlebnispädagogik teilgenommen habe.

Foto: Brandstiftung in der Nordstadt

Brandstiftung in der Nordstadt

Die komplette Kriminalstatistik für Nordhessen finden Sie hier

Der Junge, der mittlerweile 14 Jahre alt ist, habe die Brandstiftungen gegenüber der Polizei nicht gestanden, sagt Kriminaldirektor Oliver Kusan. Ebenso wenig die beiden erwachsenen Trittbrettfahrer, die von mehreren Zeugen schwer belastet worden seien. Die Beweissituation sei bei Brandstiftungen allerdings insgesamt sehr schwierig. Nachdem die drei Tatverdächtigen allerdings angesprochen und mit den Vorwürfen konfrontiert worden seien, habe es keine entsprechenden Brandstiftungen mehr gegeben, sagt Kusan. „Wir sind davon überzeugt, die Täter ermittelt zu haben.“

Insgesamt gab es in der Stadt Kassel trotz dieser Brandserie lediglich ein Plus von sieben Delikten gegenüber dem Vorjahr. Von 50 stieg die Gesamtzahl auf 57 Brandstiftungen an. Im Landkreis Kassel gingen die vorsätzlichen Brandstiftungen hingegen von 26 auf 21 zurück. Dies entspricht einem Minus von 19,2 Prozent. (use)

Aus dem Archiv: Brandserie in Kassel reißt nicht ab

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