Stadtreiniger setzen laute Maschinen nur begrenzt ein

Nabu gegen Laubsauger: Kleine Tiere sterben

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Das ist der Herbst: Spaziergängerin Hildegard Michel steht hinter einem Laubberg in der Karlsaue.

Kassel. Menschen sind vom Lärm genervt, kleine Tiere müssen um ihr Leben fürchten. Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen ruft auch in diesem Herbst wieder dazu auf, bei den Gartenarbeiten auf Laubsauger zu verzichten.

„Mit einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern saugen die Geräte nicht nur Blätter, sondern auch unzählige für den Boden und die Vogelwelt wichtige Kleinlebewesen auf“, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Wer im kommenden Jahr Singvögel in seinem Garten genießen wolle, solle die Motorheuler in der Ecke stehen lassen. Sinnvoller sei es, Laubhaufen für Kleintiere und Igel anzulegen oder die Blätter zu kompostieren.

Laubsauger verwüsteten Grünanlagen und Gärten, sagt Eppler. „Wo sie ein paar Jahre lang alle Blätter weggeputzt haben, wird man kaum noch Meisen, Schmetterlinge, Käfer und Igel sehen.“ Die Sauger ließen nicht nur Blätter und Pflanzensamen verschwinden, sondern auch viele Kleintiere, die auf dem Boden leben und eine wichtige Rolle im Nährstoff-Kreislauf spielen.

Ganz auf Laubsauger könnten die Stadtreiniger nicht verzichten, sagt Sprecherin Birgit Knebel. Die Laubbläser seien vor allem wichtig, um das großflächig liegende Laub zunächst für die kehrenden Kollegen zusammenzupusten. Weil das Fegen körperlich sehr anstrengend sei, diene das der Arbeitserleichterung. Außerdem erreiche man mit dem Luftstrahl Stellen, wo der Besen nicht hinreicht, etwa an Baumwurzeln oder zwischen Autos. Sechs Teams sind laut Knebel werktags und bei starkem Laubfall auch samstags in den Stadtteilen unterwegs, je ein Mitarbeiter benutze dabei einen Laubbläser, die restlichen kehrten das Laub mit Besen zusammen.

Das gesamte Laub, laut Knebel kommen 600 bis 800 Tonnen in der Stadt Kassel im Jahr zusammen, wird über den Maschinenring Kassel an Landwirte verteilt, die das Laub als Bodenverbesserer auf den Feldern einsetzten. Laut Knebel zahlen die Stadtreiniger Geld an den Maschinenring, um das Laub loszuwerden.

Gefahrenabwehr

Für Privatleute ist es allerdings kostenlos, die Blätter bei den Stadtreinigern abzugeben. Das sei ein Service auch zur Gefahrenabwehr, sagt Knebel. Mit der kostenlosen Entsorgung soll verhindert werden, dass sich Nachbarn über mögliche Kosten streiten. Die Stadtreiniger wollen somit auch verhindern, dass Laub von Privatgrundstücken einfach auf die Straße geworfen wird. Schließlich werden diese regelmäßig gereinigt, um die Rutsch- und Unfallgefahr, die durch Laub entsteht, zu minimieren. (use/rud)

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