Kassel

Kassels alte Hauptpost heute zum letzten Mal geöffnet: Umzug nach über 100 Jahren

Die Alte Hauptpost 1950
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Zustand um 1950: Die Alte Hauptpost wurde nach der Zerstörung des Daches in vereinfachter Form wieder aufgebaut.

An der Friedrich-Ebert-Straße geht eine Ära zu Ende: Nach 114 Jahren werden in der Alten Hauptpost heute (02.12.2020) zum letzten Mal Postdienstleistungen angeboten.

Kassel – Die Postbank zieht sich aus dem Gebäude zurück und damit auch der Service im Bereich Post und Pakete. Wir werfen einen Blick zurück auf die Anfänge des repräsentativen Baues. Welche Bedeutung die Post einst hatte, lässt sich in vielen Städten noch an ihren repräsentativen Gebäuden der Vorkriegszeit ablesen. In Kassel ist von diesen nur die Alte Hauptpost erhalten. Als das Gebäude ab 1904 mit prunkvollen Renaissance-Elementen als Oberpostdirektion errichtet wurde, stand die Hauptpost noch auf dem Königsplatz.

1906 nahm die Oberpostdirektion ihre Arbeit auf. Damals hieß die Friedrich-Ebert-Straße noch Hohenzollernstraße. Besonders mondän wohnte der Oberpostdirektor, der in der Villa Wedekind residierte. Diese wegen ihrer reflektierenden Dachziegeln auch als „Glitzerburg“ bezeichnete Villa befand sich schon seit 1870 auf dem Grundstück – er lag bis zum Abriss 1970 hinter dem eigentlichen Postbau an der Karthäuserstraße.

Alte Hauptpost Kassel: Post zieht nach über 100 Jahren aus

Die Post hatte das riesige Villengrundstück, das sich zwischen heutiger Friedrich-Ebert-Straße, Karthäuserstraße und Bürgermeister-Brunner-Straße erstreckte, damals von einem Kaufmann erworben, um dort die Oberpostdirektion zu bauen. „Dass Kassel seit 1867 Sitz einer Oberpostdirektion war, hatte auch damit zu tun, dass es Hauptstadt der preußischen Provinz Hessen-Nassau war“, sagt Historiker Christian Presche. Neben dem Brief- und Paketversand diente die Post zum Telegrammverkehr. Wobei Kunden von den damaligen Öffnungszeiten heute nur träumen können: 1907 war montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr geöffnet, sonntags von 7 bis 13 Uhr.

Zustand vor dem Krieg: Auf dem Bild aus den 1930er-Jahren ist noch der ursprüngliche Giebel zu sehen.

1925 nahm der Rundfunksender Kassel im Postgebäude seinen Betrieb auf. Ein 50 Meter hoher Sendemast war dafür errichtet worden. Der Sender blieb bis 1931, bevor er umziehen musste, weil die Post den Platz benötigte.

Mit den Nationalsozialisten wurde die Post in Reichspostdirektion umbenannt. Der kaiserzeitliche Reichsadler über dem Portal wich dem NS-Reichsadler mit Hakenkreuz. Das Hakenkreuz sollte nach dem Krieg herausgemeißelt werden. In der Bombennacht 1943 brannte das Dach der Post ab. Der Giebel wurde später abgerissen, das Dach vereinfacht aufgebaut. Auch Teile der Seitenflügel wurden zerstört. Erhalten blieb die Tordurchfahrt an der Bürgermeister-Brunner-Straße, in die einst die Postkutschen einfuhren. Die Villa Wedekind wurde stark beschädigt, aber erst 1970 abgerissen.

Kassel: Alte Hauptpost schließt nach 114 Jahren

Hier residierte der Oberpostdirektor: Die Villa Wedekind stand direkt hinter der Alten Hauptpost.

Nach der Zerstörung der Hauptpost am Königsplatz diente die Oberpostdirektion als Hauptpost. Erst 1975 zog die Hauptpost in den Neubau an der Unteren Königsstraße um. Durch Protest des Heimatbundes 1975 konnte verhindert werden, dass die Post den Altbau an der Friedrich-Ebert-Straße abriss. Sie wollte dort das Fernmeldeamt bauen. Die künftige Nutzung des Altbaus ist unklar. Das Jenaer Unternehmen CMG sucht derzeit Nachmieter. (Bastian Ludwig)

Die Kasseler Hauptpost ist mit ihrer Filiale bereits 2018 umgezogen - von der Unteren Königsstraße 95 ein paar hundert Meter weiter in die Innenstadt, Hausnummer 50.

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