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Beliebtes Geschäft macht nach 56 Jahren dicht

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Von: Claudia Feser

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Der Schuhverkauf läuft nicht mehr. Deshalb wird Schuh Surup, das Traditionsgeschäft an der Wilhelmshöher Allee, schließen – nach 56 Jahren in Kassel.

Kassel – Spätestens Ende November soll Schluss sein, sagt Geschäftsführer Torsten Südekum. Der Räumungsverkauf ist in vollem Gang. Am Freitag war in Kassel-Wehlheiden Markttag, und viele Kunden kamen auf der Suche nach Schnäppchen in den Laden.

Auch wenn die Schuhfachverkäuferinnen Susann Englmaier und Veronika Tolmaceva wegen der Schließung keinen Grund für gute Laune hatten, bedienten sie jeden Kunden gewohnt freundlich. Stammkunden schätzen ihre Expertise und gute Beratung. Die Nachricht der Schließung hat beide getroffen. „Das ist hart“, sagt Susann Englmaier, die seit 32 Jahren in dem Geschäft Schuhe verkauft. Sie hat dort gelernt, damals noch unter dem Chef Wilhelm Surup.

Freundlich bis zum Schluss: Die Fachverkäuferinnen Susann Englmaier (links) und Veronika Tolmaceva verkaufen die letzten Schuhe in Wehlheiden und müssen sich bald neue Arbeitsplätze suchen. Denn Schuh Surup schließt im November.
Freundlich bis zum Schluss: Die Fachverkäuferinnen Susann Englmaier (links) und Veronika Tolmaceva verkaufen die letzten Schuhe in Wehlheiden und müssen sich bald neue Arbeitsplätze suchen. Denn Schuh Surup schließt im November. © Claudia Feser

Traditionsgeschäft Schuhhaus Surup in Kassel vor dem Aus

Schuhe waren das Geschäft der Surups seit vier Generationen: Der Urgroßvater war Schuhmachermeister und gründete 1877 eine Werkstatt, der Großvater war auch Schuhmachermeister und verkaufte in kleinem Umfang fabrikgefertigte Schuhe, der Vater, ebenfalls Schuhmachermeister, baute ein Schuhgeschäft in Veckerhagen auf. Wilhelm Surup baute schließlich das Geschäft aus, zwischenzeitlich gab es vier Läden: eins in Veckerhagen, zwei in der Kasseler Innenstadt und die 1966 gegründete Filiale in Wehlheiden. Als er in Ruhestand ging, übernahm Torsten Südekum 2008 das Geschäft in Wehlheiden. „Das war eigentlich ein Zufall“, erzählt Südekum, „Wilhelm Surup suchte jemanden, der ein Schuhregal übernimmt.“ Als er ablehnte, habe Surup gefragt: „Wollen Sie einen Schuhladen?“ So kamen die beiden ins Geschäft.

1966 war Schuh Surup in das Erdgeschoss an der Wilhelmshöher Allee 123 eingezogen.
Vor 56 Jahren: Schuh Surup war 1966 in das Erdgeschoss an der Wilhelmshöher Allee 123 eingezogen. Ein Nachbar war die Reinigung Altmann aus Ihringshausen, zu der eine Änderungsschneiderei gehörte. © Wilhelm Surup/nh

Corona-Lockdown und Energiekrise belasten Schuhhaus Surup in Kassel

Damals war der Umsatz doppelt so hoch wie heute, „da war die Welt noch in Ordnung“, sagt Südekum. Er betreibt in Nordhessen und Südniedersachsen acht Geschäfte, mit dem Schwerpunkt orthopädische Schuhtechnik. Schuh Surup ist der einzige reine Schuhladen „und seit fünf Jahren im Minus“. Als während des Corona-Lockdowns die Geschäfte schließen mussten, sei die Ware im Lager gewesen und konnte erst mal nicht verkauft werden – „den Verlust kann man nicht aufholen.“ Hinzu kommen aktuell die Preissteigerungen bei den Heizkosten, für Strom, ja selbst für Ladenzubehör wie Kassenrollen. Das alles in Verbindung mit den schlechten Umsatzzahlen ist das Aus für das Traditionsgeschäft in Wehlheiden.

Was sie dann mache, wurde Susann Englmaier gestern von einer Kundin gefragt. „Ich muss mich bewerben.“ Als Schuhfachverkäuferin mit 32 Jahren Berufserfahrung bei Schuh Surup. (Claudia Feser)

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