Sicherungsverfahren

Nach Angriffen auf Polizisten: Muss Mann in die Psychiatrie?

Sicherungsverfahren: Das Gericht entscheidet darüber, ob der 32-Jährige wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Die Sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts muss in einem Sicherungsverfahren  darüber entscheiden, ob ein 32-jähriger Mann auf unbestimmte Zeit in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Dass der junge Mann äußerst brutal war, auf die Polizeibeamten losgegangen ist, sie geschubst, geschlagen, an den Haaren gezogen und versucht hat, den Beamten ihre Dienstwaffen aus dem Holster zu entreißen, darin waren sich die vier Zeugen am Montagvormittag einig.

Die Männer sagten in dem Sicherungsverfahren gegen einen 32-jährigen Mann aus Kassel aus. Laut Staatsanwaltschaft soll dieser am 12. August 2016 auf einen Anwalt und eine Ärztin mit einem Kugelschreiber im Ludwig-Noll-Krankenhaus eingestochen sowie Polizeibeamte nach seiner Flucht aus der Klinik auf der Dennhäuser Straße in Niederzwehren angegriffen und verletzt haben. Die Sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts muss in dem Sicherungsverfahren nun darüber entscheiden, ob der Mann auf unbestimmte Zeit in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Wenn die Tendenz in den Aussagen der vier Zeugen, die an diesem Nachmittag auf einem Grundstück an der Dennhäuser Straße an ihren Autos schraubten, auch in dieselbe Richtung geht, so widersprachen sich die Männer aber auch bei bestimmten Fragen – wie zum Beispiel, wer den 32-Jährigen durch den Schuss in den Oberschenkel letztlich gestoppt habe.

Ein 60-jähriger Mann und ein 35-Jähriger behaupteten, eine Polizistin mit dunklen kurzen Haaren habe geschossen. Ein 38-jähriger Zeuge will hingegen gesehen haben, dass eine jüngere Polizistin mit langen blonden Haaren auf den Mann gezielt haben soll. Und ein 31-jähriger Zeuge war sich sicher, dass der einzige männliche Polizist den Schuss abgegeben hat.

Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Volker Mütze wurde tatsächlich nur ein Schuss auf den 32-Jährigen abgegeben. Von wem, das werde am nächsten Verhandlungstag nach Ostern thematisiert.

Einig waren sich die vier Zeugen allerdings am Montag darin, dass die Streifenwagenbesatzung mit dem aggressiven Mann überfordert gewesen sei. Der Beschuldigte sei auf der Dennhäuser Straße Richtung Frankfurter Straße zu Fuß unterwegs gewesen, als der Streifenwagen ihm auf dem Bürgersteig den Weg abgeschnitten habe. Die zwei uniformierten Frauen und der Mann seien ausgestiegen, um den Mann zu fassen. Das sei aber nicht möglich gewesen. „Der explodierte förmlich“, sagte der 60-Jährige aus. „Der hat sich gewehrt wie ein Tier. Keiner war in der Lage, ihn zu greifen.“ Die Konstellation der Streifenwagenbesetzung sei vermutlich sehr ungünstig gewesen, so der Zeuge. Der Mann sei schon älter und eine Kollegin untersetzter gewesen. Bei der jungen Frau habe es sich um eine Praktikantin gehandelt, wie er später erfahren habe.

Zwei der Männer sagten, dass sie sich zwischenzeitlich überlegt hätten, den Polizisten bei dem Gerangel, das gefühlt über mehrere Minuten ging, zu helfen. Als er aber gesehen habe, so der 35-jährige Zeuge, dass der Angreifer auch versuchte, einer Polizistin die Waffe zu entreißen, habe er davon Abstand genommen.

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