Nach Attacke auf Verbindungshaus

Nach Anschlag auf Verbindungshaus: Zusammenhang mit geplantem Treffen?

Farbanschlag auf Verbindungsheim: Das Haus der Burschenschaft Germania an der Wolfsangerstraße wurde mit schwarzer Teerfarbe beworfen. Foto: Herzog

Kassel. Der Protest gegen eine Veranstaltung der Kasseler Burschenschaft Germania scheint durch den Farbanschlag auf deren Verbindungshaus zu eskalieren. Steht die Attacke im Zusammenhang mit dem Seminar der Burschenschaftler am Sonntag? Ein linkes Bündnis will auf jeden Fall Flagge zeigen.

Mehrere Christbaumkugeln, die mit schwarzer Teerfarbe gefüllt waren, waren gegen das Haus an der Wolfsangerstraße 98 geworfen worden. Der Anschlag soll sich am Donnerstagmorgen zwischen zwei und sechs Uhr ereignet haben.

Die Höhe des Sachschadens steht noch nicht fest. „Ein Zusammenhang mit der Veranstaltung der Burschenschaft und der angekündigten Demonstration dagegen ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Die Polizei ermittle wegen Sachbeschädigung.

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Am Sonntag will sich die Verbindung Germania - sie ist die einzige Burschenschaft in Kassel - zu einem Seminar in dem Haus treffen. Dort hat sie einen Raum fest angemietet, außerdem gibt es in dem Haus ein Studentenwohnheim. Zum Seminar wurden offenbar auch Burschenschaftler aus Göttingen, Bielefeld, Münster, Osnabrück, Lemgo und Clausthal eingeladen.

Experte: "Germania gehört zur extremen Rechten"

Gegen das Treffen protestiert ein linkes Bündnis der Universität Kassel unter Federführung des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Für Sonntag ist eine Demonstration geplant. Die Protestler bezeichnen die Germania als eine Organisation, in der extrem rechtes Gedankengut vertreten werde. Der Göttinger Politologe Stephan Schreiber, der seine Magisterarbeit zum Thema Burschenschaften schrieb und Mitglied der linksradikalen, antifaschistischen Gruppe „Gegenstrom“ in Göttingen ist, sagt: „Die Germania Kassel gehört zu dem völkisch-nationalistischen Teil des Dachverbandes Deutsche Burschenschaften. Sie ist damit ein Teil der extremen Rechten in Deutschland.“ Nach Angaben der Kasseler Polizei ist die Burschenschaft strafrechtlich nie aufgefallen. Sie halte sicher eher bedeckt und bleibe weitgehend im Verborgenen.

Auch die linken Kritiker wissen nicht viel von der Kasseler Germania. Informationen, wie viele Aktive und „alte Herren“ die Studentenverbindung hat, gibt es nicht. Dass die Kasseler Burschenschaft Verbindungen zur extremen Rechten habe, belege laut Schreiber auch, dass 1992 der Liedermacher Frank Rennicke Gast in Kassel war. Rennicke gilt als Schlüsselfigur der rechtsradikalen Szene. Er war 2009 und 2010 der Kandidat der NPD für die Wahl zum Bundespräsidenten.

2004 habe die Germania den inzwischen verstorbenen Neonazi Jürgen Rieger zu einem Vortrag zum Thema „Ehre Freiheit Vaterland“ eingeladen. Rieger war unter anderem Hauptorganisator des „Rudolf-Heß-Gedenkmarsches“. Reaktionen von der Kasseler Verbindung gibt es nicht. Wir haben versucht, die Burschenschaft mehrfach zu erreichen. Auf Klopfen und Klingeln öffnete niemand, Mails wurden nicht beantwortet, das Telefon wurde nicht abgenommen.  Zeugenhinweise zum Farbanschlag unter Tel. 0561/910.

Demonstration: Mit viel Lärm gegen die Burschenschaft

Die Demonstration gegen die Burschenschaft Germania beginnt am Sonntag um 11 Uhr auf dem Holländischen Platz. Dann laufen die Demonstranten nach Wolfsanger, wo sie sich vor dem Verbindungsheim der Germania an der Wolfsangerstraße 98 versammeln. Dort wollen sie mehrere Stunden ausharren - bei Musik, Essen und Getränken. Es soll sogar eine Toilette aufgestellt werden. Mit viel Lärm wollen sie das Treffen der Burschenschaftler stören. (tho)

Von Frank Thonicke

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