Schlägern keine Chance geben

Nach Attacke in Tram: Jascha Küllmer von Radio HNA will anderen Mut machen

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Nicht einschüchtern lassen: Jascha Küllmer von Radio HNA wurde am vergangenen Samstag auf dem Weg in die Kasseler Innenstadt in einer Straßenbahn angegriffen. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit will er anderen Mut machen, die in vergleichbare Situationen geraten.

Kassel. Es sollte eigentlich ein netter Abend mit Freunden in der Kasseler Innenstadt werden. Doch auf dem Weg dahin geriet Jascha Küllmer, Moderator bei Radio HNA, am Samstag in der Straßenbahn an zwei ziemlich unangenehme Typen. Grundlos pöbelten beide erst, dann wurde einer aggressiver und auch noch handgreiflich.

Am Ende schlug der Unbekannte zu, mit der Faust ins Gesicht, schildert der 24-Jährige.

Von diesem Vorfall, der ihn völlig unvorbereitet traf, will sich Jascha Küllmer nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Er hat Strafanzeige erstattet. Und um anderen Mut zu machen, die vielleicht ähnlich arglos in vergleichbare Situationen geraten, geht Küllmer mit seinem Fall bewusst in die Öffentlichkeit. Denn in dem Moment, als er mit dem Angreifer aneinandergeriet, habe keiner der übrigen Fahrgäste reagiert, erzählt Küllmer. „Keiner hat irgendwas gesagt, keiner hat irgendwas gemacht, alle haben zugeguckt.“

Nachdem es ihm gelungen sei, die beiden Täter gegen 23.30 Uhr an der Haltestelle Rathaus loszuwerden, habe er beim nächsten Halt selbst die Straßenbahn verlassen, berichtet Küllmer. Schließlich habe er die Polizei alarmiert, weil keiner der anderen Fahrgäste aktiv geworden war. Erst später entschloss er sich, auch Strafanzeige zu erstatten.

Inzwischen hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt, berichtete Pressesprecher Wolfgang Jungnitsch. Noch in derselben Nacht war gegen 3.30 Uhr nämlich ein 28-Jähriger aus Korbach in Polizeigewahrsam genommen worden, auf den die Personenbeschreibung passte. Grund dafür war, dass er an einer Diskothek an der Werner-Hilpert-Straße sehr unaufgenehm aufgefallen war und aggressiv herumgepöbelt hatte. Zum Ausnüchtern habe der Mann die Nacht in der Zelle des Polizeipräsidiums verbracht.

Nun werte die Polizei noch die Videoaufnahmen aus der Tram aus und ermittelt weiter gegen den 28-Jährigen, sagte Jungnitsch. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohe ihm ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. (clm)

Hintergrund: So sollte man sich verhalten

Wenn in Bahnen oder Bussen gepöbelt oder geschlagen wird, wissen viele erst nicht, wie sie sich verhalten sollen. Ein Tipp, den Oliver Kranki und Volker Schulz vom Polizeiladen in der Kasseler Innenstadt geben: Öffentlichkeit schaffen, andere auf die Situation aufmerksam machen und einbinden. Dazu solle man andere Fahrgäste direkt ansprechen und um Hilfe bitten. In solchen Fällen verweigere sich kaum jemand, sagt Schulz. Trete man Pöblern geschlossen mit mehreren gegenüber mache das Eindruck - Motto: „Gemeinsam sind wir stärker“, sagt Kranki.

Zugleich solle man auch Fahrer und Zugpersonal aufmerksam machen. Bei der KVG seien Fahrer dafür geschult, sagt Sprecherin Heidi Hamdad. Diese setzten sich sogleich mit der Leitstelle in Verbindung, die dann weitere Hilfe organisiert.

Hintergrund: Mehr Übergriffe in Bus und Bahn

Gesondere Statistiken über die Zahl von Übergriffen in Bussen und Bahnen führen KVG und Polizei nicht. Glücklicherweise komme so etwas sehr selten vor, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Allerdings gebe es „gefühlt“ eine leicht steigende Tendenz, „wie sonst auch im allgemeinen Raum“.

Die Zahl der Körperverletzungen in der Stadt Kassel ist laut polizeilicher Kriminalstatistik sogar rückläufig. Im vorigen Jahr wurden 1468 Fälle erfasst, 142 weniger als im Jahr 2012. Umgerechnet liegt der Rückgang bei 8,8 Prozent. Höhepunkt war das Jahr 2011, als 1712 Körperverletzungen in der Stadt Kassel erfasst wurden. Im Landkreis Kassel sind die Zahlen seit Jahren relativ konstant, im vorigen Jahr lag sie bei 636, im Jahr 2012 waren es 675.

Im Vergleich zu anderen Straftaten ist die Aufklärungsquote relativ hoch. In ganz Nordhessen klärte die Polizei im vorigen Jahr 91,3 Prozent der Fälle auf.

Von Claas Michaelis

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