Verzögerungen durch Evakuierung

Nach Bombendrohung: Brautpaare konnten nicht getraut werden

Fragten um Rat: Julia Krainhöfer und Benjamin Waskönig erkundigten sich bei Hans-Jochem Weikert (rechts), wann sie heiraten können.

Kassel. Diesen Tag hatten sich Julia Krainhöfer und Benjamin Waskönig wohl anders vorgestellt. Eigentlich wollte das Paar Donnerstagvormittag um 9.50 ins Rathaus, um sich dort im Standesamt trauen zu lassen. Doch daraus wurde nichts - die Bombendrohung für das Kasseler Rathaus kam dazwischen.

Als das Paar zum Rathaus kam hatte der Standesbeamte das Trauzimmer längst verlassen. Ebenso wie die übrigen 800 Mitarbeiter, die sich am Morgen im Rathaus aufgehalten hatten. Ebenso die Kunden. Um 9.30 Uhr war nämlich der Hausalarm ausgelöst worden. Ein Mann hatte zuvor bei der Kasseler Polizei angerufen und angekündigt, dass sowohl im Rathaus als auch im Arbeitsamt am Grünen Weg 9.50 Uhr eine Bombe hochgehen würde.

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Bis 9.45 Uhr war das Rathaus geräumt. Die Mitarbeiter gingen zum festgelegten Sammelplatz am Friedrichsplatz. Alles sei reibungslos verlaufen, sagte Hans-Jochem Weikert, Leiter des Krisenstabs. Erst im Januar hatte es im Rathaus eine Übung für ein Bombenszenario gegeben.

Doch das tröstete das Brautpaar aus Kassel zunächst wenig. Auf dem Karlsplatz sprachen Julia Krainhöfer und Benjamin Waskönig Krisenstabsleiter Weikert an. Wann kann geheiratet werden? Wann bekommt die Braut ihren neuen Reisepass? Das war ein wichtiges Anliegen des Paars. Denn am Samstag soll es in die Flitterwochen nach Dubai gehen. „Das kriegen wir alles hin“, beruhigte Weikert das sichtlich geschockte Paar. Er werde sich darum kümmern, dass die Trauung noch im Laufe des Tages nachgeholt werden könne. Er hielt Wort.

Am frühen Nachmittag meldete die Pressestelle des Rathauses, dass die ausgefallenen Trauungen nun vorgenommen werden könnten.

Fotos: Bombendrohung: Rathaus und Arbeitsamt evakuiert

Bombendrohung: Rathaus und Arbeitsamt evakuiert

Nach der Räumung beider Gebäude, die nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Knöll durch eigene Kräfte von Stadt und Arbeitsagentur vorbildlich und komplikationslos abgelaufen sei, kamen zwei Sprengstoffspürhunde der Polizei zum Einsatz. Der Belgische Schäferhund Artax durchsuchte mit seiner Hundeführerin das Rathaus. Der Malinoi, wie die Rasse auch heißt, stieß allerdings nicht auf Sprengstoff. Gegen 11.10 Uhr gab dann zunächst die Diensthundeführerin des Reviers Mitte Entwarnung für das Rathaus. Etwa 20 Minuten später meldete auch der Hundeführer in der Arbeitsagentur, dass sein Sprengstoffspürhund Sumo, ebenfalls ein Malinoi, nichts gefunden hatte.

Ab 11.30 Uhr hoben die Polizisten sukzessive die Straßen- und Wegsperrungen wieder auf und gaben die Gebäude wieder frei. Wegen der Bombendrohung hatte die Polizei am Vormittag die Fünffensterstraße und die Obere Königsstraße im Bereich des Rathauses sowie den Karlsplatz gesperrt. Dadurch war auch der Bus- und Straßenbahnverkehr in der Innenstadt beeinträchtigt worden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Archiv-Video: Bombendrohung für Rathaus und Arbeitsagentur

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