Städtische Werke lassen mehr Fläche als vorgeschrieben im Auebad auf Sprengkörper untersuchen

Städtische Werke: "Kasseler Fliegerbombe war kein Zufallsfund"

Der Gefahrenradius: Der Kampfmittelräumdienst entschied sich am Montagabend für eine weiträumige Sperrung der Aue - aus Sicherheitsgründen. Wir geben Antworten auf die meistgestellten Fragen.  

Kassel. Etwa 70 Jahre schlummerte die am Montag gefundene Fliegerbombe im Boden des 1955 eröffneten Auebads. Doch warum wurde vor der Entschärfung ein so großer Bereich evakuiert? Wie wurde die Bombe überhaupt entdeckt? Wir geben Antworten auf häufige Fragen am Tag zwei nach dem Bombenfund.

An jener Stelle, wo seit 2004 bis zur Schließung des Freibads der Spielplatz lag und Kinder tobten. Nach Angaben von Heidi Hamdad, Sprecherin der Städtischen Werke, war dieser Bereich der Schwimmbad-Baustelle erst jetzt auf Weltkriegsbomben untersucht worden, weil seit Baubeginn im Jahr 2010 immer nur abschnittsweise sondiert werde. In diesem Bereich stünden nun Erdarbeiten an.

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Die Städtischen Werke ließen das gesamte Areal untersuchen, „obwohl wir dazu nicht verpflichtet waren und sind“, sagt Hamdad. In der Baugenehmigung für das neue Auebad sei anhand von Luftbildaufnahmen festgelegt worden, welche Flächen auf Sprengkörper abgesucht werden müssen. „Wir sind von Beginn an über diese Fläche hinausgegangen“, sagt Hamdad. Die Fliegerbombe sei also nicht zufällig bei ganz normalen Bauarbeiten, sondern bei einer Untersuchung des Kampfmittelräumdiensts entdeckt worden. „Der Bereich war vorher durch die fest installierten Gerätschaften nicht sondierfähig“, sagt auch Feuerwerker Dieter Schwetzler (Kampfmittelräumdienst, RP Darmstadt), der die Bombe mit seinem Kollegen Dieter Brunner (Firma Tauber) entschärft hatte.

Die Experten waren auch dafür verantwortlich, in welchem Umfang das Gebiet rund um die Fundstelle evakuiert werden musste. Man habe sich für einen Gefahrenradius von 700 Metern entschieden, weil die Bombe in einer relativ geringen Tiefe von nur 1,70 Meter lag und die Bebauung am Auedamm recht spärlich sei, sagt Schwetzler. „Es gibt hier keinen natürlichen Schutz von Häusern, die den Splitterflug aufhalten könnten, wenn die Bombe explodieren würde.“ Aus diesem Grund sei der Luftraum auch bis zu einer Höhe von 1000 Meter gesperrt gewesen. Wenn eine Bombe im Stadtgebiet mit viel Bebauung entschärft werden müsse, dann falle der Gefahrenradius entsprechend geringer aus.

Bilder von Evakuierung und Entschärfung der Bombe

Fliegerbombe an Auebad-Baustelle gefunden

Die eigentliche Entschärfung habe nur zehn Minuten in Anspruch genommen. „Wir hatten aber genug Vorbereitungszeit, um die Zünder grob zu säubern und den Rost daran zu lösen“, sagt der Experte. Raketenklemmen waren an die beiden Zünder angebracht und die Bombe anschließend per Fernzündung entschärft worden.

Auch die Besucher der documenta, die in der Aue unterwegs waren, mussten Teile der Ausstellung verlassen. „Die Leute hatten Verständnis für die Räumung. Schließlich handelte es sich ja um höhere Gewalt“, sagt documenta-Sprecherin Henriette Gallus. Die Führungen, die am Montag wegen der Evakuierung abgebrochen worden waren, wurden am Dienstag fortgesetzt.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Archivvideo: Bombenfund auf Auebad-Baustelle

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