Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung

Nach Chemie-Unfall: Ikea will Schadenersatz von Dachdeckerbetrieb

Großeinsatz am Möbelhaus: Bei Arbeiten auf dem Dach des Ikea-Gebäudes in Kassel entwich am Donnerstag voriger Woche eine Chemikalie in Gasform, die dann auch ins Möbelhaus gelangte. Dadurch wurden fünf Mitarbeiter und eine Kundin verletzt. Deswegen ermittelt die Polizei nun gegen zwei Dachdecker wegen fahrlässiger Körperverletzung. Archivfoto: Koch

Kassel. Nach dem Chemie-Unfall bei Dacharbeiten am Ikea-Einrichtungshaus im Kasseler Stadtteil Waldau am vorigen Donnerstag ermittelt die Polizei nun gegen zwei Handwerker wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das sagte Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage.

Den 22 und 43 Jahre alten Mitarbeiter eines Dachdeckerbetriebs aus Nordhessen drohe ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Ermittlungen laufen laut Werner aber noch.

Aktualisiert um 14.07 Uhr.

Dazu droht den Handwerkern beziehungsweise ihrem Arbeitgeber eine Schadenersatzklage. Ikea-Einrichtungshauschef Tom Meyer sagte auf Anfrage, dass „auf jeden Fall rechtliche Schritte“ eingeleitet werden sollen. Schließlich habe das Einrichtungshaus in Folge des Unfalls für fast einen halben Tag schließen müssen, entsprechend sei auch Umsatz verloren gegangen.

Die fünf verletzten Mitarbeiter seien „Gott sei Dank“ wieder wohlauf. Auch einer Kundin, die die Dämpfe eingeatmet hatte, geht es nach Meyers Kenntnisstand besser. Alle seien nur kurz im Krankenhaus behandelt worden. Sie hatten über Übelkeit, Atemwegsbeschwerden beziehungsweise Kopfschmerzen geklagt.

Dämpfe wurden angesaugt

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Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatten die Handwerker am Donnerstagnachmittag vergangener Woche einen Kunstharzlack zum Abdichten des Dachs aufgebracht. Dabei seien Dämpfe freigesetzt worden, die dann von der Entlüftungsanlage angesaugt worden und so in das Innere des Möbelhauses gelangt seien, sagte Polizeisprecher Werner.

Die Dachdecker hätten bei den Arbeiten ordnungsgemäß Schutzkleidung getragen. Wie es genau zu dem Unfall kam, müssten die weiteren Ermittlungen ergeben, so Werner.

Ein Lob sprach Einrichtungshauschef Meyer an seine Mitarbeiter aus. Die Evakuikerung des Möbelhauses, in dem sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa 500 Menschen aufhielten, habe bestens geklappt. Zwei Mal pro Jahr würden solche Fälle mit Evakuierungen geübt. Das habe sich nun bezahlt gemacht. Auch Polizei und Feuerwehr hätten das umsichtige Handeln der Ikea-Belegschaft gelobt.

Nach der Evakuierung und der anschließenden Durchlüftung des kompletten Gebäudes hatte Ikea die Raumluft von einer externen Firma untersuchen lassen. Am Freitag hatte das Möbelhaus wieder geöffnet. Aus Sicherheitsgründen blieb aber der besonders betroffene Restaurantbereich noch geschlossen und öffnete erst am Samstag wieder.

Jetzt nur noch Restarbeiten

Ikea hatte die Dachdeckerfirma mit der Sanierung des kompletten Dachs beauftragt. Die Arbeiten seien weitgehend abgeschlossen gewesen. Deswegen habe es in Folge des Unfalls keine Verzögerungen mehr gegeben, sagte Meyer. Nun seien am Dach nur noch kleine Restarbeiten zu erledigen. (clm)

Fotos: Der Chemie-Unfall bei Ikea

Chemieunfall bei Ikea in Kassel

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