Hummerscheren vom „Bomber der Nation“

Nach dem Tod von Gerd Müller: Wolf Tauer aus Kassel erinnert sich an Begegnung

Das Restaurant „Ambry“ in Fort Lauderdale: Gerd Müller (Dritter von rechts) mit seinen Angestellten vor seinem Steakhaus im US-Bundesstaat Florida. Das Foto wurde 1982 aufgenommen. In diesem Restaurant verbrachte Wolf Tauer aus Kassel mehrere Stunden mit der Fußballlegende.
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Das Restaurant „Ambry“ in Fort Lauderdale: Gerd Müller (Dritter von rechts) mit seinen Angestellten vor seinem Steakhaus im US-Bundesstaat Florida. Das Foto wurde 1982 aufgenommen. In diesem Restaurant verbrachte Wolf Tauer aus Kassel mehrere Stunden mit der Fußballlegende.

Am Sonntag starb Gerd Müller, Deutschlands wohl bekanntester Fußballer. Wolf Tauer aus Kassel erinnert sich an eine Begegnung mit dem „Bomber der Nation“ in Florida vor 40 Jahren.

Kassel – Als sich am Sonntag die Nachricht verbreitete, dass der legendäre Fußballer Gerd Müller im Alter von 75 Jahren gestorben ist, da kamen wohl vielen Menschen Erinnerungen in den Sinn, die sie mit dem Ausnahmetalent, dem „Bomber der Nation“, bis heute verbinden. Eine ganz besonders schöne Erinnerung an Müller hat Wolf Tauer, der Chef der „Sound Brothers“ in Kassel.

Um viele Menschen an seiner Geschichte teilhaben zu lassen, hat er sie bei Facebook veröffentlicht. Bis gestern Abend hat er dafür 232 Likes erhalten und zahlreiche Kommentare von Leuten, die sich über seine Worte gefreut haben.

Es war vor 40 Jahren, als er von dem japanischen Technologiekonzern Toshiba nach Miami eingeladen wurde, um dort den amerikanischen Markt kennenzulernen, erzählt Tauer. Damals war er 26 Jahre alt und zum ersten Mal in Amerika. Da Tauer schon immer ein großer Fußballfan war (von der deutschen Nationalmannschaft und Borussia Dortmund), habe er sich einen Lincoln Continental gemietet, der günstiger als die japanischen Kleinwagen war, um in das Restaurant von Gerd Müller zu fahren. Der hatte nach Beendigung seiner Karriere als Fußballer in den USA das Restaurant „Ambry“ in Fort Lauderdale eröffnet.

Er habe damals allen Mut zusammengenommen, um das „Ambry“ zu betreten, sagt Tauer. „Ich war der einzige Gast.“ Und plötzlich habe Gerd Müller vor ihm gestanden und gefragt, ob er aus Deutschland komme, erzählt Tauer. Müller sei froh gewesen, dass er keine Fotosession mit ihm machen wollte, so Tauer. Bei Facebook hat der Chef der „Sound Brothers“ die Begegnung mit folgenden Worten beschrieben: „Endlich mal ein normaler Typ. Heute Morgen war schon die A-Jugend von Hertha BSC da und ich musste die ganze Zeit mit denen posen, fotografieren und ‘Fußball ist unser Leben’ singen. So’n Scheiß!“

Müller habe drei bis vier Stunden mit ihm am Tisch gesessen und aus dem Nähkästchen geplaudert, so Tauer. Über die WM 1974, Malente, Helmut Schön, das heimliche Rauchen der Spieler und Schnäpschen vor dem Spiel.

Dazu habe es ein paar zünftige deutsche Biere gegeben. Und „Stone Crab Claws“ (Hummerscheren) mit der berühmten Limettenmayonnaise von Uschi Müller.

War 1981 zu Gast in Gerd Müllers Restaurant: Wolf Tauer, Chef der „Sound Brothers“.

Gerd Müller habe ihm erzählt, dass es ihm furchtbar peinlich gewesen sei, dass sein Manager ihn 1969 dazu gebracht habe, das Lied „Dann macht es Bumm“ aufzunehmen. Aber der Franz Beckenbauer habe ja auch „Gute Freunde“ singen müssen.

Apropos Freunde. „Franz und Gerd waren wirklich wie Blutsbrüder. So hat er es mir an diesem Tag erzählt“, so Tauer. Müller habe ihm auch berichtet, dass er nach der WM 1974 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sei, weil die Spielerfrauen nach dem Gewinn des Titels nicht zum Festbankett eingeladen worden waren.

Über seine Frau habe Gerd Müller damals gesagt, so Tauer: „Jetzt muss ich tun, was die Uschi sagt. Die Uschi hat ihr ganzes Leben bisher nach mir ausgerichtet. Jetzt helfe ich ihr in der Küche und im Restaurant.“

Er habe Gerd Müller vor 40 Jahren als einen superfreundlichen, bodenständigen, lieben und humorvollen Menschen kennengelernt, sagt Tauer. Es sei ein richtig schöner Abend gewesen. Als er sich verabschiedete, habe er Müller nicht mal nach einem Autogramm gefragt. Das wäre nach dieser Begegnung doof gewesen, sagt Tauer. Die Erinnerung an dieses Treffen habe er aber immer in seinem Herzen getragen. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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