Kasseler Studie

54 Prozent der Studenten können sich Selbstständigkeit vorstellen

Kassel. Mehr als jeder zweite Student kann sich vorstellen, nach dem Abschluss sein eigener Chef zu sein. In einer Studie im Auftrag von Uni Kassel Transfer, der Wissenstransfer-Einrichtung der Hochschule, sind dazu 4200 Studierende aller Fachrichtungen befragt worden.

54 Prozent gaben an, dass für sie eine Selbstständigkeit vorstellbar sei. „Selbstbestimmtes Arbeiten, das Verwirklichen eigener Ideen und die Übernahme von Verantwortung sind für die heutigen Studenten außerordentlich wichtige Ziele“, sagt Maria Daskalakis vom Fachgebiet Umwelt- und Verhaltensökonomie, Leiterin der Studie. Mehr als 90 Prozent hatten sich bei der Befragung entsprechend geäußert.

Trotz des hohen Interesses an einer selbstständigen Tätigkeit tendierten die Befragten jedoch zu einer angestellten Beschäftigung, sobald sie vor die Alternative abhängige oder selbstständige Beschäftigung gestellt waren. Drei Viertel der Befragten machten ihr Kreuzchen in diesem Fall bei der angestellten Tätigkeit. Auf den ersten Blick sei das ein Widerspruch, sagt Daskalakis. „Tatsächlich zeigt es, dass sich viele junge Menschen pragmatisch verhalten und die Risiken einer Existenz als Selbstständige gut einschätzen können.“

Der Anteil der Kasseler Absolventen, die tatsächlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, ist gering. Auf rund 4300 Absolventen pro Jahr kommen nach Schätzungen der Uni-Gründungsberatung Inkubator fünf bis zehn Gründungen. Insgesamt weiß man von 330 Gründungen seit Bestehen der Hochschule.

Wie die aktuelle Studie ergab, können Universitäten viel tun, um Hürden für potenzielle Firmengründer abzubauen und unternehmerische Fähigkeiten zu stärken. Fast 90 Prozent derjenigen Studenten, die angegeben hatten, eine Selbstständigkeit anzustreben, wünschten sich Unterstützung der Hochschule bei der Gründungsfinanzierung, 88 Prozent eine rechtliche Beratung.

Mit dem Inkubator ist eine solche Einrichtung in Kassel bereits vorhanden. Dort können Absolventen das Exist-Stipendium für Gründer aus der Wissenschaft beantragen. Die selbstständige Entwicklung von Projektideen sowie unternehmerisches Denken und Handeln müssten aber noch stärker in die Lehrpläne und die Forschung integriert werden, wenn die Hochschulen das große Potential besser erschließen wollten, sagt Jörg Froharth von Uni Kassel Transfer. Das entspricht auch dem Wunsch einer großen Mehrheit der befragten Studenten, die sich mehr Angebote zur Förderung der Kreativität und zur Entwicklung eigener Projekte wünschen.

Auch für die Personalführung von Unternehmen, die kluge Köpfe gewinnen wollten, seien die Ergebnisse der Studie interessant, sagt Dr. Oliver Fromm, Leiter von Uni Kassel Transfer: „Die Absolventen der Zukunft suchen ein Arbeitsumfeld, in dem sie selbstverantwortlich arbeiten und eigene Ideen einbringen können.“

Von Katja Rudolph

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