Wohnung und Keller durchsucht

Nach Einsatz gegen Schlepperbanden in Kassel: Verdächtiger will auspacken

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Keller durchsucht: Ein Bundespolizist interessierte sich für den Inhalt eines Koffers.

Kassel. Am Dienstagmorgen fanden in vier Bundesländern Einsätze gegen Schlepperbanden statt. Unter anderem durchsuchte die Polizei eine Wohnung in der Oberzwehrener Straße in Kassel. Der 27-jähriger Bewohner möchte nun Licht ins Dunkel bringen.

Drei Wochen sei es her, dass die Polizei Pirna (Sachsen) an der deutsch-tschechischen Grenze einen mutmaßlichen Schleuser festgenommen hat, sagt Dennis Goldbeck, Sprecher der Bundespolizei in Fuldatal. Dieser Mann hat wohl ausgepackt: Er habe den Ermittlern von einer großen Schleuserorganisation berichtet, die bundesweit operiert.

Diese Aussage hatte am frühen Dienstagmorgen bei Minusgraden Polizeieinsätze in vier Bundesländern zur Folge. Unter anderem wurde das Appartement eines 27-jährigen Syrers an der Oberzwehrener Straße 66 durchsucht. Der junge Mann soll dort seit Oktober leben.

20 Beamte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) Hünfeld der Bundespolizei hatten sich am Morgen gegen 6 Uhr zunächst mit Ermittlern aus Pirna auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Niederzwehren getroffen. Der Einsatz wurde von der Bundespolizei in Fuldatal koordiniert.

Nach der Besprechung der Lage fuhren dann um 6.45 Uhr mehrere Einsatzwagen zu der Adresse in der Oberzwehrener Straße. Dass der Verdächtige sich in dem Appartement aufhält, sei den Beamten vorher klar gewesen, sagt Erik Fleischer, Sprecher der Bundespolizei in Fuldatal. Die Wohnung sei in der Nacht beobachtet worden.

Nachdem die Polizisten um kurz vor 7 Uhr bei dem Verdächtigen geklingelt hatten, öffnete dieser von sich aus die Tür. Es war nicht erforderlich, dass die Spezialisten für das „Öffnen und Lösen“ von Türen (die so genannten Türknacker der Bundespolizei, so Goldbeck) zum Einsatz kamen.

Gesichert: Beamte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) aus Hünfeld trugen am Dienstagmorgen Beweismittel aus dem Appartementhaus an der Oberzwehrener Straße.

Ein Übersetzer für Arabisch belehrte den perplexen Verdächtigen über seine Rechte und klärte ihn auf, dass die Beamten sein kleines Appartement, das mit Bett, Kommode, Tisch, Sofa und Fernseher möbliert ist, sowie den Kellerraum durchsuchen würden. Der junge Mann, der zwar unerlaubt nach Deutschland eingereist ist, aber mittlerweile ein „Asylstatus“ hat, habe erklärt, so Bundespolizeisprecher Goldbeck, dass er eine Aussage machen wolle, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Einige Gegenstände trugen die BFE-Beamten am Dienstagmorgen aus der Wohnung des Syrers. Auch wenn dieser Mann offenbar keine große Rolle bei der Schleuserbande spielt und auch nicht festgenommen wurde, so ging der Polizei bei der Durchsuchung in Berlin wohl ein Hauptverdächtiger ins Netz.

Jörg Baumbach, Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna, erklärte zum Einsatz: „Skrupellose Schleuser nutzen die Hilflosigkeit schutzbedürftiger Menschen aus, um auf menschenverachtende Weise Kasse zu machen. Entschlossene Ermittlungsarbeit ist die richtige Antwort, um diesen kriminellen Banden Einheit zu gebieten. Hier sind wir auf dem richtigen Weg.“

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