Nach Elternzeit kann es Probleme geben

Ohne Job keinen Kita-Platz

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Kassel. Eigentlich könnte alles so einfach sein: Eltern, die ihre ein- bis dreijährigen Kinder in einer Krippe betreuen lassen wollen, haben seit dem 1. August einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Damit sollte die Betreuung der Kleinen eigentlich sichergestellt sein. Doch:

So einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn der Rechtsanspruch gilt zunächst nur für Halbtagsplätze. Je nach individuellem Bedarf kann aufgestockt werden. Der muss allerdings nachgewiesen werden. Für einen Ganztagsplatz gelten Bedingungen:

Beispielsweise müssen die Eltern einen Arbeitsplatz haben oder arbeitssuchend gemeldet sein. Wollen Eltern jedoch Arbeitslosengeld beziehen, kann es Probleme geben. Denn wer sich arbeitslos meldet, muss dem Arbeitsmarkt 15 Stunden die Woche zur Verfügung stehen. Zudem muss die Kinderbetreuung geregelt sein, sagt Melanie Bonacker, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit.

Ein Teufelskreis: Denn dafür brauchen Eltern schließlich den Kita-Platz. Ein weiteres Problem: Ist ein Kita-Platz gefunden, müssen die Eltern in den ersten Wochen während der Eingewöhnung jederzeit zur Verfügung stehen, falls es in der Krippe Probleme gibt. Doch was, wenn diese Zeit sich mit dem Arbeitsbeginn überschneidet?

Wer vor diesen Problemen steht, sollte mit den Erzieherinnen der Kita sprechen, sagt die Stadträtin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit, Anne Janz. „In der Regel haben alle Krippen Konzepte für eine solche Situation.“ Allerdings sei es ratsam, sich früh um einen Kita-Platz zu kümmern. „Zwei Monate bevor die Arbeit aufgenommen wird, kann mit der Eingewöhnungszeit in der Kita begonnen werden.“

Wer Probleme hat, nach der Elternzeit Familie und Beruf oder Arbeitssuche zu vereinbaren, könne sich an das Jugendamt wenden, sagt Janz. Dort werde man eine Lösung suchen. Das gelte auch, wenn das Kind in einer Kita eines freien Träger untergebracht werden soll. „Wir sehen den Widerspruch“, sagt Katharina Peters, Regionalleitung Hessen von Impuls Soziales Management. Sind die Plätze knapp, bekommen in den Kitas des Trägers zunächst Kinder einen Platz, die schon Geschwister in der Kita haben. Allerdings sei die Lage derzeit entspannt.

„Eltern nehmen lieber das Betreuungsgeld, als in die Einrichtungen zu gehen“, sagt Peters. Nur bei einigen Kitas wie dem Montessori-Kinderhaus Wunderland herrsche hoher Andrang. Auch der Verband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder der Diakonie Hessen sieht die Lage ruhig: „In den 24 Kitas, die bei uns Mitglied sind, wurden keine Eltern zurückgewiesen“, sagt Ulrike Havers-Dietrich, Mitarbeiterin der Diakonie.

Arbeitssuchend melden im sechsten Monat

Sind Mütter und Väter in der Situation, dass sie nach der Elternzeit eine neue Arbeitsstelle suchen, rät das Arbeitsamt, sich sechs Monate vor Ablauf der Elternzeit arbeitsuchend zu melden. Zudem empfiehlt es sich, Kontakt mit der Beauftragten für Chancengleichheit aufzunehmen, sagt die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, Silke Sennhenn.

„So hat man, wenn die Elternzeit rum ist, alles in die Wege geleitet.“ Melden Mütter oder Väter sich in dieser Zeit arbeitslos, hat dies zudem den Vorteil, dass beispielsweise Bewerbungskosten übernommen werden. Außerdem sei es, anders als bei Arbeitslosen, nicht so, dass Arbeitssuchende ständig bei der Agentur für Arbeit vorstellig werden müssen. (sas)

Tagesmütter als Alternative

Wer keine Kita-Platz erhalten hat, hat die Möglichkeit, auf eine Tagesmutter auszuweichen. Dazu können betroffene Eltern sich an das Tagespflegebüro des Jugendamtes wenden. Es besteht die Möglichkeit, dass die Kosten für die Tagesmutter übernommen werden. Kontakt: Tel. 7875160

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