Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße haben die Nase voll - Verlängerte Erlaubnis für draußen wackelt

Nach EM-Partys nervt der Lärm

Beliebt bei den Feiernden, weniger bei den Anwohnern: Zuletzt gab es vermehrt Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch den Kneipenbetrieb an der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Fischer

Kassel. Nach den wochenlangen Partys auf der Fußball-Fanmeile zur EM liegen bei einigen Anwohnern an der Friedrich-Ebert-Straße die Nerven offenbar blank. Beim Ordnungsamt hat es zuletzt vermehrt Beschwerden wegen des Lärms von der Kneipen-Zeile gegeben. „Wir mussten den Wirten androhen, dass die verlängerte Erlaubnis der Bewirtschaftung draußen auf wackligen Beinen steht“, sagt Bernd Kessler vom Ordnungsamt. Während der documenta dürfen die Bars an der beliebten Party-Meile täglich bis 1 Uhr (statt wie sonst 23 Uhr) auf den Terrassen bedienen.

Einige Wirte hätten es zuletzt leider übertrieben, sagt Kessler. Dagegen gehe man konsequent vor. So sei zum Beispiel laute Musik bei geöffneten Fensterfronten abgespielt worden. „Das geht überhaupt nicht.“ Es gelte, die Anwohner zu schützen – gerade nach der starken Belastung durch die EM. Bisher habe man es bei deutlichen Ermahnungen belassen, sagt Kessler. Wenn es erneute Verstöße geben sollte, werde man aber Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten und Bußgelder verhängen. Sollten die Lärmprobleme weiter zunehmen, werde man zudem die „großzügige Verfahrensweise“ der verlängerten Außenbewirtschaftung zur nächsten documenta nicht mehr anbieten.

Untersagt hat das Ordnungsamt bereits ein für den heutigen Samstag im „Goldenen Hirsch“ geplantes kleines Festival. Laut Kessler war die Veranstaltung nicht angemeldet, aber bereits beworben worden. Da Livemusik in normalen Schankwirtschaften aber nicht erlaubt ist, hätte es einer Genehmigung bedurft. Grundsätzlich werde man auf der Friedrich-Ebert-Straße in diesem Sommer keine Sonderveranstaltungen mehr zulassen, stellt Kessler klar.

Das Festival, bei dem unter anderem die Bands „Hank und die Shakers“ und „losing fame by using silence“ auftreten, ist jetzt in einen Probenraum auf dem ehemaligen Henschelgelände verlegt worden (20 Uhr, Wolfhager Str. 109). „Für uns ist es ärgerlich, dass wir so kurzfristig umplanen mussten“, sagt Lukas Weidauer, einer der Organisatoren und Musiker. Ohne die zentrale Lage gehe außerdem die Laufkundschaft verloren.

Wirte zeigen Verständnis

Dass bei den Anwohnern die Schmerzgrenze erreicht ist, kann Hot-Legs-Chef Sascha Lenz verstehen. „Auf der EM-Meile war ja Mords-Bambule.“ Das Phänomen, dass nach den großen Fußball-Events häufiger Beschwerden aufträten, kenne man schon. Viele Wirte hätten bereits Plakate aufgehängt, auf denen man die Gäste bitte, sich draußen möglichst ruhig zu verhalten. „Dass sich die Fronten verhärten, ist das Letzte, was wir wollen.“

Das sieht auch Oliver Bertram vom Bohemia so. Die heißen Wochen, an denen die Kneipen genauso wie die Anwohner die Fenster öffnen mussten, hätten das Problem verschärft. Sanktionen oder gar ein Verbot der Wirtschaftsgärten wolle man unbedingt vermeiden. „Schließlich verdienen wir mit den Kneipen ja unser Geld.“

Von Katja Rudolph

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