Städtische Werke: Naturverbände haben keinen Einfluss auf Geschäftspolitik

Nach Ende der Zusammenarbeit mit Vattenfall: Weitere Schritte gefordert

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Städtische Werke verabschieden sich vom Atomkonzern: Das im Bild gezeigte Kasseler Kohlekraftwerk entspricht aber noch nicht dem Ideal von Umweltorganisationen.

Kassel. Bei der Regionalgruppe der Naturschutzorganisation Robin Wood herrscht Freude: Von dem bevorstehenden Ende der Zusammenarbeit zwischen Städtischen Werken und Vattenfall fühlen sich einige Mitglieder bestätigt.

Unterdessen wehrt sich der städtische Versorger gegen den Eindruck, Interessenverbände hätten Einfluss auf seine Geschäftspolitik.

„Wir knicken nicht ein. Aber wir hatten keine Lust mehr, uns unseren Naturstrom schlechtmachen zu lassen“, sagte Unternehmenssprecher Ingo Pijanka.

Kritik hatte es vor allem deshalb gegeben, weil mit Vattenfall ein Betreiber von Atomkraftwerken als Lieferant des Ökostroms ausgewählt worden war. Als der Vertrag über die Lieferung von Ökostrom im Oktober 2007 zustande kam, hielt Vattenfall noch einen 24,9-prozentigen Anteil an den Städtischen Werken. Dieser ist inzwischen an das Stadtwerke-Konsortium Thüga verkauft worden. Seinerzeit habe kaum ein Anbieter so große Mengen Ökostrom liefern können wie Vattenfall, begründete das Unternehmen seine damalige Entscheidung.

Statkraft ist groß im Geschäft

Mit Statkraft aus Norwegen haben sich die Städtischen Werke den größten Erzeuger im Geschäft der erneuerbaren Energien ausgesucht. Ausschlaggebend sei ein verhältnismäßig günstiges Angebot gewesen, sagte Pijanka. Ein Problem seien die derzeit hohen Einkaufspreise für Strom aus regenerativen Quellen. Grund dafür sei die extrem hohe Nachfrage. „Das tut uns weh, aber wir hoffen, dass die Preise wieder sinken.“ Auch deshalb hätten sich die Städtischen Werke zunächst nur für ein Jahr an die Norweger gebunden. Bislang hat der Kasseler Stromversorger für seine Kunden keine Preiserhöhungen angekündigt.

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Über die Abkehr von Vattenfall hinaus wünschen sich Umweltorganisationen wie Robin Wood weitere Schritte beim Umstieg auf erneuerbare Energien. Vor allem das Kasseler Kohlekraftwerk an der Dennhäuser Straße ist ihnen ein Dorn im Auge. „Außerdem wünschen wir uns, dass die Stadtwerke nicht mehr mit Atomstrom handeln“, sagte Sarah Hackfort. Bislang kommen 47 Prozent des Stroms für Kasseler Geschäftskunden aus Atomkraftwerken. Nur die Privatkunden erhalten zu 100 Prozent Ökostrom.

Kassels Grüne hingegen bewerten die Energiepolitik der Städtischen Werke als „grundsätzlich positiv“. Es gebe aber noch Ausbaupotenzial.

Von Bastian Ludwig

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