Acht Jahre Haft für Entführung: 27-Jähriger hatte Kasselerin verschleppt

Hildesheim/Kassel. Das Hildesheimer Landgericht hat einen 27-Jährigen wegen einer Entführung  am Montag zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte gestanden, eine 38-Jährige Ende Mai von Kassel nach Celle verschleppt zu haben.

Aktualisiert um 15.30 Uhr

Nach Verbüßung von zwei Jahren soll der Drogensüchtige zunächst in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werden. Der Staatsanwalt hatte einen Freiheitsentzug von neuneinhalb Jahren gefordert. Der Verteidiger plädierte für eine vierjährige Strafe.

Beim Prozessauftakt hatte der Angeklagte gestanden, die 38-Jährige von Kassel nach Celle verschleppt zu haben. Der Mann habe bei der Entführung „besonders brutal und rücksichtslos“ gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Brönstrup in der Urteilsbegründung.

Flucht in Celle

Mit der EC-Karte der Frau hob der Mann 700 Euro ab. In Celle konnte das Entführungsopfer dann die Polizei verständigen und flüchten. Etwa einen Monat später wurde der 27-Jährige verhaftet.

Der Drogensüchtige räumte in dem Prozess weitere Taten ein, die ihm zur Geldbeschaffung dienten. So gab er den Überfall auf eine 64-Jährige in ihrem Haus in Otze (Region Hannover) zu. Außerdem schlug er einen 87-Jährigen in dessen Garten im benachbarten Ramlingen-Ehlershausen nieder.

Merhfach vorbestraft

Der 27-Jährige ist bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstählen. Allerdings war er bislang nie gewalttätig geworden. „Sie haben jetzt mit diesen Taten eine Grenze überschritten, die sie in die Schwerkriminalität gebracht hat“, sagte Brönstrup.

Der aus Tschetschenien stammende Mann war nach eigenen Angaben während des Kriegs brutal gefoltert worden. Er leidet daher nach Erkenntnissen eines Gutachters unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Trotz seiner Drogenabhängigkeit war er nach Meinung des Experten während der Taten voll schuldfähig.

Der heute 27-Jährige war früher mehrfacher russischer Juniorenmeister im Ringen. Der Angeklagte habe damals eigentlich ganz erfolgversprechend begonnen, meinte Richterin Brönstrup: „Dass sie danach so abgedriftet sind, das ist traurig.“ Ob der Mann therapiert werden kann, ist ungewiss. Nach Ansicht von Staatsanwalt Martin Dorn droht ihm wegen der schweren Straftaten die Abschiebung in seine Heimat. (dpa)

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