Expansion - Lärmbelästigung hat zugenommen

Nach Expansion der Firma Jordan: Lastwagen nerven die Nachbarn

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Viele Anwohner fühlen sich von Lastwagen belästigt: Ein Fahrzeug biegt vom Gelände der Firma Jordan in die Silberbornstraße ab.

Kassel. Anwohner der Straßen An der Kurhessenhalle, der Silberbornstraße und des Töpfenhofwegs in Niederzwehren sind genervt. Von den Lastwagen, die über die Straßen fahren.

„Man hat das Gefühl, dass es immer mehr wird“, sagt einer Anwohnerin der Straße An der Kurhessenhalle. Die Lärmbelästigung sei für sie nicht das Schlimmste. Sie habe Angst, weil die Lkw auch direkt am Kinderspielplatz vorbeiführen.

Viele der Lkw sind auf dem Weg zur Firma Holz Jordan, die ihren Hauptsitz in dem Mischgebiet am Töpfenhofweg hat. Ein direkter Nachbar ist Dr. Thomas Boese. Als er vor zehn Jahren mit seiner Familie das Haus kaufte, habe er gewusst, dass er an den Rand eines Mischgebiets zieht. Allerdings hätten die Belästigungen in den vergangenen Jahren extrem zugenommen. Zuletzt besonders, weil Jordan an der Frankfurter Straße ein neues Gebäude errichtet hat.

Lkw aus Osteuropa stünden zum Teil von Freitagabend über das ganze Wochenende auf dem Bürgersteig vor seiner Haustür, sagt Boese, weil sie Jordan montags beliefern wollten. Zudem fehle ein richtiger Lkw-Parkplatz vor dem Unternehmen. Die Lastwagen stauten sich deshalb auf der Güterbahnhofstraße. Er habe an manchen Tagen über 30 Lkw gezählt, die an seinem Haus vorbeifahren, sagt Boese. Die Straßen seien zum Teil wellig, da hüpften die Lastwagen regelrecht drüber.

Hinzu komme der Schleichverkehr. Um die Schlangen auf der Frankfurter Straße vor den Ampeln Richtung Dez zu umfahren, wählten viele Autofahrer den Weg durch das Wohngebiet. Ihm gehe es nicht darum, der Firma Jordan irgendetwas zu verbieten, sagt Boese. „Es geht nur um gegenseitige Rücksichtnahme.“

Manfred Rauschenberg ist bei der Firma Jordan Ansprechpartner für die Nachbarn. Mit Boese habe er in der Vergangenheit viele Gespräche geführt. „Wir sind an einem guten Verhältnis mit unseren Nachbarn interessiert und versuchen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen“, sagt Rauschenberg. Schließlich sei Jordan ein Familienunternehmen, das seit 1919 in dem Gewerbemischgebiet in Niederzwehren ansässig ist. Allerdings habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark expandiert. Dadurch habe natürlich auch der Anlieferungsverkehr zugenommen.

Man habe alle Hauptspediteure angeschrieben und gebten, dass die Fahrer das Holz nur über die Frankfurter Straße und der Güterbahnhofstraße anliefern. „Das klappt auch zu 95 Prozent.“ Allerdings gebe es beispielsweise Speditionen aus Litauen und Lettland, die von einer falschen Navigation geleitet würden und dann durchs Wohngebiet führen. Laut Rauschenberg lieferten im Schnitt acht große Lkw pro Tag Holzwerkstoffe an. Das Unternehmen arbeite allerdings derzeit an weiteren Lösungen, um das Wohngebiet vom Lkw-Verkehr zu entlasten. 

Das sagt die Stadt „Es gibt keinen Schleichverkehr“

Die Strukturen des Gewerbebetriebs Jordan in einem Bereich mit Wohnbebauung seien historisch gewachsen, sagt Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt. „Kontrollmessungen haben ergeben, dass weder Geschwindigkeits- noch Verkehrsmengenprobleme bestehen. Daher gilt die Situation als verkehrlich unauffällig.“ Da es sich allerdings um Nebenstraßen handele, könnten dennoch vereinzelt auch geringe Lkw-Aufkommen als störend empfunden werden. Die Allgemeinheit müsse jedoch Fahrgeräusche von Lkw im Rahmen des Gemeingebrauches der öffentlichen Straße akzeptieren. „Von der Lärmkartierung des Landes Hessen sind beide Straßen nicht erfasst, da hier weniger als 3000 Fahrzeuge am Tag fahren. In der Lärmaktionsplanung werden diese Straßen daher auch nicht behandelt.“

Zudem gebe es aus Sicht der Stadt auch keinen Schleichverkehr durch den Töpfenhofweg, weil nach Optimierung der Ampelanlage Leuschnerstraße/Frankfurter Straße kein Zeitvorteil mehr bei roter Ampel bestehe. „Aufgrund der Situation mit versetztem Parken und der Enge der Straße kann zudem davon ausgegangen werden, dass kein Lkw-Fahrer freiwillig ohne direktes Ziel den Töpfenhofweg durchfährt“, sagt Bohnenkamp.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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