Nach Fahrplanwechsel: Probleme bei Bus und Bahn bestehen weiterhin

Kassel. Nach dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember berichteten Fahrgäste vermehrt von Problemen mit Bus und Bahn. Offenbar läuft es immer noch nicht rund im öffentlichen Nahverkehr: Auf einen Aufruf der HNA hin meldeten sich NVV-Kunden und schilderten ihre Erfahrungen.

Fahrgäste des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) klagen weiterhin über volle Busse und Bahnen sowie Verspätungen. Betroffen sind dabei sowohl Verbindungen aus dem Landkreis in die Stadt als auch Linien innerhalb von Kassel. HNA-Leser berichten dabei unter anderem von folgenden Problemen, die allerdings teilweise schon vor der Fahrplan-Umstellung existierten:

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• Mehrfach klagen Fahrgäste über volle Bahnen, beispielsweise sei an der Haltestelle „Holländischer Platz/ Universität“ die Lage sehr schwierig. „Die Kapazität der Fahrzeuge ist einfach komplett ausgereizt“, schreibt Kathrin-Marie Becker.

• Diese Probleme existieren offenbar auch stadteinwärts: Die Trams der Linien 3,6 und 7 seien morgens in Richtung Innenstadt spätestens ab der dritten Haltestelle voll, nachmittags und mittags seien sie ebenfalls überfüllt. Darauf macht unter anderem Christian Ecke aufmerksam.

• Dass die Busse von Niestetal nach Kassel überfüllt sind, wurde bereits berichtet. Landkreis und NVV wollen hier Abhilfe schaffen. Doch auch in umgekehrter Richtung hakt es: So berichtet Christine Umbach aus Sandershausen, dass ihre beiden Kinder mehrfach von der Haltestelle Hallenbad Ost nach Hause laufen mussten. Busse waren an den Kindern vorbeigefahren.

• Auch Verspätungen verärgern die Fahrgäste. So habe die Linie 37 vom Königsplatz Richtung Lohfelden täglich Verspätungen von bis zu zehn Minuten – und das seit Jahren. Dem NVV seien die Probleme bekannt, sagt Sprecher Steffen Müller: „Die Busplaner kennen die Situationen vor Ort.“ Sie müssten die unterschiedlichen Interessen abwägen: Berufspendler, Studenten, Schüler – alle wollten morgens innerhalb von 30 Minuten in die Stadt.

Um diesen zeitweisen Ansturm besser zu bewältigen, wäre eine sehr hohe Anzahl an Fahrzeugen nötig, die dann den Rest des Tages nur herumstehen würden. „Das können wir gegenüber den Steuerzahlern nicht verantworten.“ Zudem zögen die abrupten Änderungen durch den Fahrplanwechsel viele Fragen von Fahrgästen an das Personal nach sich. Insgesamt beruhige sich die Lage im öffentlichen Nahverkehr aber gerade. Und wenn dauerhaft Fahrzeiten nicht einzuhalten seien, werde der NVV nachsteuern.

Im Bezug auf die überfüllten Bahnen und Busse verweist der NVV auf den im Herbst geplanten Einsatz von Doppeltrams und die Entlastung durch die neue Linie 52. Müller betont, dass es sinnvoll sei, Beschwerden am NVV-Telefon unter 01 80/2 34 01 80 zu hinterlassen oder per Mail an info@nvv.de zu senden. „Die Mitarbeiter lesen jede Anregung, um ein für die Mehrheit der Fahrgäste funktionierendes System hinzubekommen.“

Von Göran Gehlen

„Busse werden teilweise vergessen“

Fahrer berichtet über Missstände auf den Strecken

Kassel. Jedes Jahr nach Umstellung der Busfahrpläne im Winter durch den NVV kämen Probleme. Das sagt ein Busfahrer, der in der Region unterwegs ist, aber anonym bleiben möchte. Der Frust sitze bei ihm tief, denn er müsse schließlich mit seinen Kollegen die Kritik der Fahrgäste aushalten.

Die Fahrplan-Umstellung Die Fahrplan-Umstellungen nehme der NVV im Dezember vor. Doch statt einer Verbesserung passierten jedes Mal wieder dieselben Fehler, berichtet der Busfahrer. Nicht nur, dass weniger Busse auf einigen Strecken eingesetzt würden, laut seinen Schilderungen würden teilweise Busse einfach vergessen. „Wie kann das sein?“, fragt er sich. Der NVV wisse doch aus Erfahrung und Statistiken, welche Kapazitäten für die einzelnen Strecken benötigt würden.

Knappe Fahrzeiten Die An- und Abfahrzeiten seien im Winter nicht einzuhalten. „Da müssen spezielle Fahrpläne her“, fordert der Busfahrer. Die Zeiten seien nur bei guten Straßenverhältnissen machbar, aber nicht bei Schneefall oder Glätte. Die Folge: In mancher 30er-Zone müsse schon mal etwas schneller gefahren und eine Strafe in Kauf genommen werden.

Die Kritik der Kunden „Wir müssen den Mist ausbügeln“, ärgert sich der Fahrer über die Fahrplan-Umstellung. Die Beschwerden müssten er und seine Kollegen sich anhören und nicht die Chefs. Die schlechte Organisation sei aber nur ein Problem. Denn viele Busse seien veraltet. „Bei manchen schließen die Türen ja nicht mal richtig“, sagte er. (mho)

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