Ruf nach Fernbusbahnhof

Ärger über zahllose Omnibusse auf Kassels Straßen wird größer

Zurück zur Autobahn: Immer mehr Fernbusse (im Bild auf der Auestadion-Kreuzung) rollen über die Straßen der Stadt zum IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Auch nach zwei Jahren hat man im Rathaus noch keine Idee für einen neuen Fernbusbahnhof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Der Unmut über die Flut von Fernbussen auf den Straßen der Stadt wird größer. Die Busunternehmen bieten zahlreiche neue Verbindungen quer durch Deutschland und Europa mit Zustieg in Kassel an. Dafür müssen die Omnibusse von der Autobahn durch die Stadt zum IC-Bahnhof Wilhelmshöhe fahren.

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„Die befürchtete Entwicklung ist eingetreten“, sagt Stadtverordneter Heinz Gunter Drubel (FDP). Die Liberalen wollten den Magistrat erneut auffordern, endlich ein neues Fernbusterminal nahe der Autobahn - zum Beispiel am Auestadion - zu schaffen, blitzten aber damit im jüngsten Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Verkehr ab. SPD und Grüne lehnen das ab, weil ein solcher Beschluss bereits Anfang 2013 gefasst worden war.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) will im März 2015 mit einem konkreten Vorschlag aufwarten, wo der neue Fernbusbahnhof entstehen soll. Das sorgt bei der SPD für Stirnrunzeln. Man müsse das dringlicher machen, mahnt SPD-Verkehrsexperte Volker Zeidler und spricht von einer „unerträglichen Situation“. Da müsse „dringend etwas passieren“.

Dabei hätte es noch schlimmer kommen können. Wehlheidens Ortsvorsteher Norbert Sprafke (SPD), der seit zwei Jahren die Folgen des stetig zunehmenden Fernbusverkehrs anprangert, berichtet von einem Brief des Straßenverkehrsamtes an den Ortsbeirat, dass mit dem Ergebnis des Gutachtens zum künftigen Busbahnhof erst Ende 2015 zu rechnen sei. Die heftige Kritik des Ortsbeirats hat wohl dafür gesorgt, dass Nolda jetzt neun Monate früher mit einem Vorschlag aufwarten will.

Norbert Sprafke

„Ich bin für das Auestadion“, sagt Sprafke. Damit wäre allen gedient, ist der Ortsvorsteher überzeugt. Die Autobahnauffahrt ist nur wenige Hundert Meter vom Auestadion entfernt. Ein Busbahnhof dort wäre mit mehreren Straßenbahn- sowie Buslinien und der Regiotram zu erreichen. Das gilt als entscheidend für die Busunternehmen. Ein Sprecher von „Berlin Linien Bus“ hatte das gegenüber der HNA so erklärt: „Für uns ist nur wichtig, dass der Kunde leicht zur Haltestelle gelangt. Dafür quälen wir uns, wenn es sein muss, auch mit den Bussen durch die Stadt.“

Zudem gibt es am Auestadion genügend Parkplätze für Buskunden. Und „Eppos Clubhaus“ (früher KSV Clubhaus) bietet sich laut Sprafke als Relaisstation mit Gastronomie, Toiletten und Telefon an. Das würde einen Neubau für den Busbahnhof überflüssig machen.

Nach der Öffnung des deutschen Marktes und dem Fall des Bahnmonopols auf deutschen Fernstrecken im vergangenen Jahr hat der Fernbusverkehr explosionsartig zugenommen. Die Preise für die Bustickets liegen weit unter den Kosten für Bahnfahrten. Inzwischen sehe man die Fernbusse „auf allen Straßen in der Stadt herumfahren“, sagt Sprafke. Weil die Busunternehmen den Nachtverkehr ausbauen wollten, würden die Busse demnächst „auch nachts durch die Straßen brettern“. Wegen der zentralen Lage werde Kassel künftig „zum nationalen Drehkreuz für den Fernbusverkehr“, ahnt Sprafke.

Von Jörg Steinbach

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