Ring weckt bei Besitzerin Gerburg Krause Erinnerungen

Nach fünf Jahren: 89-Jährige aus Kassel hat ihren Ehering wieder

Gerburg Krause hat ihren Ehering zurück
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Gerburg Krause hat ihren Ehering zurück

Es ist ein besonderes Wiedersehen. Petra Ley wartet vor dem Aschrottheim auf eine Frau, die vor knapp fünf Jahren im Klinikum Kassel einen Ring verloren hat. Jetzt wurde das Schmuckstück gefunden.

Kassel – Damals ist die Frau Patientin, Ley arbeitet in der Klinik-Verwaltung – und heute trägt sie das Schmuckstück bei sich. Sie hat es vor Kurzem gefunden. Dann erscheint die Frau. Gerburg Krause heißt sie. „Kennen Sie mich noch?“, fragt Ley. „Doch. Ja. Stimmt.“ So kommt die Seniorin wieder zu ihrem Ehering.

Als sie am Dienstag die Zeitung aufschlägt, wie immer nach dem Frühstück so gegen 9 Uhr, kann sie es kaum glauben. Der Artikel über einen verlorenen Ehering und eine aufgelöste Patientin handelt von ihr. „Das finde ich einmalig, dass sich jemand daran erinnert hat“, sagt Krause. Nur beim Alter stutzt sie. Sie wird als Frau zwischen 50 und 60 Jahren beschrieben. „Das hat mich auch gefreut. Ein nettes Kompliment“, sagt die 89-Jährige und lächelt. Krause greift zum Telefon und ruft bei der HNA an.

Knapp sechs Stunden später kommt es zum Treffen. Und zur Übergabe. Sie sei glücklich und überwältigt, sagt Krause. Sie wolle sofort ihren Kindern die Geschichte erzählen. Drei hat sie, dazu fünf Enkel, und kürzlich stockte ein Urenkel ihre Familie auf, die verstreut in Deutschland lebe, wie Krause berichtet. Ihr Ehemann Wilfried starb vor 31 Jahren. Auch deshalb sei es ihr so nahe gegangen, als der Ring verschwunden war.

Freude im Aschrottpark: Petra Ley (links) gibt Gerburg Krause ihren Ehering zurück.

Wie damals alles ablief, wisse sie nicht mehr genau. Dafür werden andere Erinnerungen geweckt. Krause erzählt, dass sie als Kind die Heinrich-Schütz-Schule besucht hat. Später zieht die Familie nach Flensburg. Im Westerwald studiert sie Keramik-Ingenieurwesen. Sie verschlägt es ins Rheinland, arbeitet für Villeroy & Boch und für ein Forschungsinstitut in Bonn. In der damaligen Hauptstadt trifft sie Wilfried. Weil er das Patenkind ihrer Mutter ist, kennt sie ihn schon länger. „Aber nur flüchtig.“ Nun wird es ernster. Das müsse 1958 gewesen sein, sagt Krause. Ein Jahr später heiraten sie – am 19. Juni standesamtlich, am 20. kirchlich. Das weiß sie noch genau. Über Bremerhaven landet das Ehepaar Krause im Alter dann in Kassel.

Und die Gravur? H. K. steht in dem Ring. Krause winkt ab. Eigentlich sollten die Initialen des Mannes eingraviert werden, also W und K. Doch das sei gleich mehrmals schiefgegangen. „Also hab ich gesagt: Lassen wir das“, erzählt Krause, die seit drei Jahren im Aschrottheim lebt. Nach dem Verlust sei für sie aber nie infrage gekommen, ein Exemplar nachmachen zu lassen. „Hin ist hin“, sagt sie. „Außerdem soll man den irdischen Dingen nicht so nachtrauern.“ Sie denke sehr oft an ihren Wilfried. Jahrelang ohne Ehering. Nun aber auch endlich wieder mit ihm.

Von Robin Lipke

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