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Wohngeld: Kassel erwartet Verdreifachung der Anspruchsberechtigten

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Von: Andreas Hermann

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Durch die Wohngeldreform rechnet auch die Stadt Kassel ab 2023 mit einem deutlichen Anstieg der Anträge und Anspruchsberechtigten. Im Jahr 2022 waren bei ihr 4781 Anträge auf Wohngeld gestellt worden.
Durch die Wohngeldreform rechnet auch die Stadt Kassel ab 2023 mit einem deutlichen Anstieg der Anträge und Anspruchsberechtigten. Im Jahr 2022 waren bei ihr 4781 Anträge auf Wohngeld gestellt worden. © privat/nh

Deutlich mehr Haushalte haben 2023 Anspruch auf Wohngeld. Die Stadt Kassel erwartet deshalb ein großes Plus bei den Anträgen.

Kassel – Die Wohngeldreform (Wohngeld-Plus-Gesetz) ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Wenn das Einkommen eines Privathaushalts nicht reicht, um selbst die Kosten für den Wohnraum zu tragen, kann ein Rechtsanspruch auf Wohngeld bestehen. Der Zuschuss wird aber nur auf Antrag gewährt. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer kann Wohngeld erhalten? Wohngeld kann für Mieter als Mietzuschuss und für Inhaber von Wohneigentum als Lastenzuschuss gewährt werden. Die Höhe hängt von der Familiengröße, dem Familieneinkommen und von der Miete/Belastung ab.

Die wohngeldfähige Miete umfasst die kalten Betriebskosten (Brutto-Kaltmiete), nicht aber Umlagen für Heizung und Warmwasser. Ausgeschlossen von Wohngeldzahlungen sind Bezieher von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, wenn bei ihnen bereits Unterkunftskosten eingerechnet sind.

Was ist das Ziel der Wohngeldreform? Damit sollen Haushalte mit niedrigeren Einkommen stärker bei den Wohnkosten unterstützt werden. Auch sollen damit Mehrausgaben, die durch steigende Energiekosten und energieeffiziente Sanierungen entstehen, besser abgefedert werden.

Was sieht die Reform vor? Nach Angaben der Stadt Kassel vor allem drei Komponenten: die Einführung einer dauerhaften Heizkostenkomponente (die als Zuschlag auf die Miete oder Belastung in die Wohngeldberechnung eingeht), die Einführung einer Klimakomponente und eine Anpassung der Wohngeldformel. Zudem soll eine Neuordnung der Gemeinden und Kreise zu den Wohngeld-Mietstufen veränderte regionale Mietenniveaus berücksichtigen.

Was heißt das für Kassel? Für die Stadt Kassel bleibt es bei der bisherigen Mietstufe III. Wohngeld wird als Miet- oder Lastenzuschuss gewährt, wenn Mieter oder Eigentümer den Wohnraum selbst bewohnen und die Voraussetzungen erfüllen.

Ist durch die Wohngeldreform mit mehr Anträgen zu rechnen? Die Stadt Kassel geht aufgrund der Wohngeldreform von einer Verdreifachung der Antragszahlen beziehungsweise der Anspruchsberechtigten aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es insgesamt 4781 Anträge, im Jahr 2021 4328 Anträge. Der zu erwartende Anstieg der Anträge und Anspruchsberechtigten stelle die Wohngeldbehörde vor eine große Herausforderung, betont die Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich (SPD).

Wie will die Stadt Kassel den Mehraufwand in den Griff kriegen? Man habe bereits Anfang Oktober mit der Personalakquise für 20 zusätzliche Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter begonnen, so Friedrich. Wie die Stadt auf Anfrage berichtet, sind aktuell im Stellenplan 15,5 Vollzeitäquivalente (VZÄ) für den Bereich Wohngeld vorgesehen.

Seit 2. Januar befinden sich fünf Sachbearbeitungen in der Einarbeitung, bis 1. April sollen die 18 weiteren ihre Arbeit aufnehmen. Friedrich: „Durch das vorausschauende Handeln der Verwaltung sind wir zuversichtlich, dass wir mit dem gewonnenen Personal dem Anspruch gerecht werden, Wohngeldanträge trotz aller Widrigkeiten zeitnah bearbeiten zu können.“

Was können Antragsteller für eine möglichst zügige Bearbeitung tun? Für die Bearbeitung sei es unbedingt erforderlich, dass der Wohngeldantrag vollständig ausgefüllt, unterschrieben und mit allen erforderlichen Unterlagen eingereicht werde, betont Sozialamtsleiterin Anja Deiß-Fürst. So würden Rückfragen vermieden und sei eine direkte Entscheidung über den Antrag möglich. Die Stadt bitte dennoch um Verständnis, dass sich die Bearbeitungszeiten zunächst verlängern werden. Die Umsetzung der personalwirtschaftlichen und organisatorischen Maßnahmen werde eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, sagte Deiß-Fürst.

Wo kann der Wohngeldantrag gestellt werden? Personen mit Erstwohnsitz in Kassel können den Antrag bei der Wohngeldbehörde (Sozialamt Stadt Kassel, Abteilung Wohngeld, 34112 Kassel) stellen. Wichtig ist der Termin der Antragstellung: Wohngeld wird erst vom Beginn des Monats an geleistet, in dem der Antrag bei der Behörde eingegangen ist.

Wie kann der Antrag gestellt werden? Der Antrag kann digital/online oder analog per Post gestellt werden. Antragsformulare gibt es im Internet auf kassel.de (Stichwort: „Wohngeld beantragen“) sowie beim Servicepoint in der Galeria.

Welche Unterlagen werden dafür benötigt? Eine Menge. Folgende Nachweise sollten laut Stadt dem Antrag beigefügt werden: Mietvertrag, Mietänderungsschreiben/Mietbescheinigung, Mietzahlungen der letzten drei Monate, aktuelle Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder der letzten zwölf Monate, Einkommen aus Selbstständigkeit, Rentenbescheid und Arbeitslosengeldbescheid.

Zudem werden etwa Bescheide über Arbeitslosengeld II-/Grundsicherung, BAföG-/BAB, Pflegegeld, Krankengeld, Übergangsgeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Kindergeld sowie Nachweise über Unterhaltsfestsetzungen und Vermögen benötigt.

Was ist, wenn die Unterlagen unvollständig sind? Wenn weitere Unterlagen benötigt werden, erhalten Antragsteller eine Mitteilung, was nachzureichen ist.

Macht es Sinn, einen Wohngeldantrag zu stellen, obwohl in der Vergangenheit kein Anspruch bestand und ein Antrag bereits abgelehnt wurde? Aufgrund der Wohngeldreform bestehe die Möglichkeit, dass nach neuer Rechtslage ein Anspruch bestehe, betont dazu die Stadt. „Es sollte also unbedingt ein Wohngeldantrag gestellt werden.“ Für Haushalte, die bereits Wohngeld erhalten, werde das Wohngeld-Plus-Gesetz automatisch umgesetzt.

Wo gibt es weitere Infos? Das Servicecenter der Stadt Kassel gibt Wohngeld-Auskünfte unter der Rufnummer 115. Beratungen durch Sachbearbeiter werden aber laut Stadt wegen des hohen Antragsaufkommens nur im Einzelfall möglich sein.

An wen können sich Bewohner des Landkreises Kassel wenden? Auf der Internetseite landkreiskassel.de gibt es entsprechende Informationen zum Wohngeld. Anträge sind an den Kreisausschuss des Landkreises Kassel, Fachbereich Soziales, Wohngeldbehörde, Ritterstraße 1, 34466 Wolfhagen, zu richten. Auskunft gibt auch das Bürgertelefon unter 0561 / 1003 1177.(Andreas Hermann)

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