Erst eingestellt - doch plötzlich kam für 22 Anwärter doch die Absage

Nach Jugendsünden für hessischen Polizeidienst ungeeignet

Kassel/Wiesbaden. Weil ein junger Mann mit 17 betrunken auf ein Baugerüst geklettert war und sich deshalb eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs einfing, darf er in Hessen kein Polizist mehr werden.

Eigentlich sollten er und viele weitere Bewerber am 4. September ihre Ausbildung bei der hessischen Polizei beginnen. Ihre schriftlichen Zusagen dafür habe sie nach dem Eignungstest schon vor Monaten bekommen.

Wie viele Fälle es in Hessen genau gibt, sagt Innenminister Peter Beuth nicht. Er wolle am Donnerstag erst den Innenausschuss informieren. In Hessen sind nach HNA-Informationen 22 Männer betroffen, davon elf in Kassel. Sie haben in der vergangenen Woche eine Absage bekommen. Die Polizeiakademie teilte ihnen mit, dass sie doch nicht für den „Polizeivollzugsdienst“ geeignet seien.

Hintergrund dieser Prüfung der Anwärter ist eine tödliche Messerattacke im Juni 2017 in Wiesbaden, in die auch ein 23-jähriger Polizeikommissaranwärter verwickelt gewesen sein soll. Seine Einstellung sei ein Fehler gewesen, hieß es damals aus dem Ministerium. Daraus wolle man Konsequenzen ziehen.

Diese Konsequenzen bekommen jetzt zum Beispiel der junge Mann zu spüren, der als Jugendlicher betrunken auf einem Baugerüst saß sowie Bewerber, die wegen einer Schlägerei angezeigt worden sind.

„Straftäter haben bei der Polizei nichts zu suchen“, sagt Stefan Rüppel, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordhessen. Aber das Vorgehen der Polizeiakademie sei eine völlige „Überreaktion“.

„Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.“ Ihm seien allein vier Fälle aus Kassel bekannt, bei denen Anwärter ihre „Verfehlungen aus der Jugend“, für die sie nie verurteilt worden seien, von sich aus eingeräumt hätten. Ihnen nach einer schriftlichen Zusage jetzt eine Absage zu erteilen, sei „ungerecht“. Betroffene hätten schon andere Jobs gekündigt, um die Ausbildung bei der Polizei zu beginnen.   

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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