Nach Knochenfund: Diese Frauen werden vermisst

Kassel. Die Identität der toten Frau, die am Mittwoch auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei im Stadtteil Jungfernkopf gefunden wurde, steht noch nicht fest. Arbeiter hatten total skelettierte menschliche Knochen und einen Schädel entdeckt.

Die Ermittler des Kommissariats K 11 der Kasseler Kripo setzen jetzt alle Hoffnung auf einen möglichen DNA-Abgleich.

Mit der Untersuchung ist das gerichtsmedizinische Institut der Universität Gießen beauftragt worden. Prof. Marcel A. Verhoff, der auch die Liegedauer der im Jahr 2008 auf dem Uni-Gelände gefundenen 60 Skelette bestimmt hat, wird die Knochen unter anderem auf DNA untersuchen.

Prof. Marcel A. Verhoff

In Kriminalfilmen wird die DNA-Analyse stets als Routine dargestellt, bei der mit jeder gefundenen Hautschuppe die Identität eines Menschen in nullkommanichts bestimmt werden kann. In der Realität ist es nicht ganz so einfach. „Es kann nicht immer funktionieren“, sagt Verhoff. Es komme darauf an, wo die Knochen gelegen haben. „Die DNA kann zum Beispiel durch Säuren im Boden oder UV-Licht zerstört werden.“

Dass die am Jungfernkopf gefundenen Knochen zugewachsen und deshalb dem Sonnenlicht nicht ausgeliefert waren, könne sich positiv auswirken, sagt Verhoff. Allerdings weiß der Wissenschaftler auch nicht, wie lange die Knochen von Gestrüpp geschützt waren.

Bei der Untersuchung im Labor der Rechtsmedizin in Gießen werde ein kleines Stück Knochen aufgesägt und zermahlen, um an die DNA in den Knochenzellen zu gelangen. Am besten eigneten sich aufgrund ihrer Härte dazu Zähne, weil sich darin die Erbinformation am längsten halte, sagt Verhoff. „Da ist die DNA wie eingemauert.“

Fotos: Leichenspürhund "Zar" bei der Arbeit

Leichenspürhund "Zar" bei der Arbeit

Zudem spiele es eine Rolle, ob durch den Boden in die Knochen eingedrungene Hemmstoffe die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erschwerten. Die PCR ist die Technik, mit der der „genetische Fingerabdruck“ bestimmt wird. Manchmal sei es kritischer, die DNA von drei bis vier Jahre alten Knochen zu untersuchen als von Knochen aus dem Mittelalter.

Verhoff ist aber optimistisch, die DNA bei dem Kasseler Knochenfund bestimmen zu können. „Wenn alles gut läuft, liegt das Ergebnis nach einer Woche vor.“ Es könne aber auch 14 Tage dauern.

Parallel zu dieser Untersuchung wird auch die DNA noch vermisster Frauen erhoben, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. In den zurückliegenden Vermisstenfällen wurden stets persönliche Gegenstände asserviert. Die Untersuchungen am Fundort und die Ermittlungen der Kripo hätten bislang keinerlei Anhaltspunkte für ein Verbrechen ergeben. Die Beamten gehen eher davon aus, dass es sich bei den Knochenfunden um die Gebeine einer seit mehreren Jahren vermissten Frau handelt.

Allein im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Nordhessen gibt es noch 14 vermisste Frauen. (use)

Video: Knochenfund im Stadtteil Jungfernkopf in Kassel

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