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Gender-Streit: Uni Kassel veröffentlicht Gutachten nach Kritik doch

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Von: Matthias Lohr

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Bundesaußenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) besucht die Universität Kassel. Politik Prof. Dr. Wolfgang Schroeder, Universitäts Präsident Prof. Dr. Dr. Reiner Finkeldey, Hörsaal 1, Foto: Andreas Fischer
Sprachstreit an der Kasseler Universität: Sollen Studenten Punktabzüge bei Hausarbeiten bekommen, wenn sie nicht gendern? © Fischer, Andreas

Die Universität Kassel wollte ein Gutachten zum Gendern bei Prüfungen nicht öffentlich machen. Nun hat sie eingelenkt – prompt fühlen sich Kritiker der Uni bestätigt.

Kassel – Mit knapp zwei Wochen Verspätung hat die Universität Kassel doch noch das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten zum Gendern veröffentlicht. Die Arbeit des Kölner Rechtswissenschaftsprofessors Michael Sachs soll die Frage klären, ob Studenten eine schlechtere Note bekommen können, wenn sie beispielsweise kein Gendersternchen verwenden.

Am 8. Dezember hatte die Uni zwar eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht, nicht aber das Gutachten selbst – mit Verweis auf das Urheberrecht des Autors. Daran hatte es deutliche Kritik gegeben, zum Beispiel vom Verein Deutsche Sprache (VDS).

Wegen des „großen öffentlichen Interesses“ veröffentlichte die Universität die 30-seitige Arbeit nun doch. Student Lukas Honemann, der die Debatte über das Gendern an der Uni im März ins Rollen gebracht hatte, feierte die Veröffentlichung als „endgültigen Sieg für die Meinungsfreiheit“. Für den Chef des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) steht durch das Gutachten fest: „Niemand darf zu politisch motivierten Gendersternchen gezwungen werden.“

Uni Kassel: Punktabzug, weil Student nicht gegendert hat

Sein Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Weil der 21-Jährige in einer Studienarbeit das generische Maskulinum verwendet hatte, bekam er in einer Teilaufgabe einen Punkt abgezogen. Durch das Gutachten fühlte sich die Universität in „früheren Einschätzungen“ bestätigt, wie sie am 8. Dezember kommentierte.

Andere konnten sich kein eigenes Urteil bilden, da das Gutachten nicht veröffentlicht wurde. Auf unsere Frage, warum er jetzt doch einer Veröffentlichung zugestimmt hat, antwortete Gutachter Sachs, dass ihm „die unentwegten Nachfragen zu lästig waren“.

Kassel: Uni-Dozenten können geschlechtergerechter Sprache vorschreiben

In seiner Arbeit kommt der Rechtswissenschaftler zwar zu dem Schluss, dass Hochschuldozenten den Gebrauch geschlechtergerechter Sprache in Prüfungen unter bestimmten Voraussetzungen vorschreiben können. Sachs erkennt aber keine „allgemein anerkannte Notwendigkeit“, Gendersternchen und Co. zu verwenden: „Die Bewertung ihrer (Nicht-)Berücksichtigung bei der Prüfung scheidet unter dem Aspekt der Einhaltung allgemeiner Grundvoraussetzungen für Prüfungsleistungen aus.“

Für den VDS-Vorsitzenden Walter Krämer ist die Arbeit „ein abwägendes und klares Gutachten“. Der HNA sagte der Dortmunder Statistik-Professor: „Das Gutachten bestätigt, dass Gendern maximal nur dort eingesetzt werden sollte, wo ein geeigneter fachlicher Hntergrund vorliegt. Die Universität Kassel hat keinen Freifahrtschein, um ihren Studenten das Gendern vorzuschreiben.“

Gutachter Sachs wollte die Reaktionen nicht kommentieren: „Die Interpretation meines Gutachtens überlasse ich den Lesern.“ (Matthias Lohr)

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