Nach MEG-Pleite: VfB Süsterfeld-Insolvenz abgelehnt - Ermittlungsverfahren gegen Ex-Vereinsspitze

Kassel. Der Insolvenzantrag des Sportvereins VfB Süsterfeld ist mangels Masse abgelehnt worden. Das teilte das Amtsgericht auf Anfrage der HNA mit. Das heißt: Wenn innerhalb von zwei Wochen kein Widerspruch eingelegt wird, gilt der Verein als aufgelöst.

Das heißt, es wird kein Insolvenzverfahren eingeleitet, weil abzusehen ist, dass das Vereinsvermögen vermutlich nicht einmal reichen würde, um die Verfahrenskosten zu decken. Laut Amtsgericht-Sprecher Reinhold Kilbinger hat das ein Sachverständiger festgestellt.

Der VfB war 2008 von Mehmet Göker, seinerzeit Vorstandschef des Versicherungsvermittlers MEG AG, übernommen worden. Nach der MEG-Pleite vor gut einem Jahr hat auch der Süsterfelder Sportverein im vergangenen Juni Insolvenz angemeldet.

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VfB Süsterfeld ist insolvent

Mit Rechtskraft der Ablehnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse – das heißt: wenn innerhalb von zwei Wochen kein Widerspruch eingelegt wird – gelte der Verein als aufgelöst, erklärt Reinhold Kilbinger. Dann müsse ein sogenannter Liquidator vom Amtsgericht bestellt werden, der die Vermögensangelegenheiten des VfB abwickelt. Weil der Sportverein keinen Vorstand mehr hat, muss ein Liquidator noch benannt werden.

Bei der vorläufigen Insolvenzverwaltung, der Kanzlei Kuhne und Partner in Marburg, war in den vergangenen Tagen keine Auskunft zu erhalten. Nach Angaben von Frank Dietrich, der zuletzt Pressesprecher des VfB war, hat der ehemalige Vorsitzende Karsten Lichtenberg im eingereichten Insolvenzantrag 70 000 Euro Unterdeckung angegeben. „Die Schulden belaufen sich nach meiner Kenntnis aber auf mindestens 300 000 Euro“, sagt Dietrich.

Unter anderem haben ehemalige Spieler, Krankenkassen, das Finanzamt und Lebensmittellieferanten Forderungen an den Verein. Etwa 15 Spieler des ehemaligen Sechstligisten hätten ihre Gehälter im letzten Jahr nicht mehr erhalten, sagt Dietrich. Auf der Habenseite gebe es lediglich das Vereinshaus, das ist allerdings laut Dietrich mit Schulden von mindestens 40 000 Euro belastet. Der Kredit auf das Gebäude, stellt Dietrich klar, sei allerdings schon vor Gökers Zeiten aufgenommen worden. Eigentlich hätte beim Wechsel der Fußballspieler in andere Vereine eine Ablösesumme gezahlt werden müssen, sagt Dietrich, wodurch man noch Einnahmen hätte erzielen können. Doch: „Da ist nichts geflossen, zumindest nicht in die Vereinskasse des VfB Süsterfeld.“

Gegen die ehemaligen Verantwortlichen des Vereins, Karsten Lichtenberg, Karsten Hutwelker und Thomas Herbig, läuft ein Ermittlungsverfahren, wie die Kasseler Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte. Es bestehe der Verdacht auf Steuerhinterziehung und Beitragsvorenthaltung – sprich: dass Spieler Geld und Sachleistungen erhielten, die nicht bei Finanzamt und Sozialversicherungsträger angegeben wurden. Außerdem stehe der Vorwurf der Untreue im Raum.

Von Katja Rudolph

Hintergrund: Ehemals 370 Mitglieder

Der VfB Süsterfeld wurde 1945 gegründet. Bevor Mehmet Göker im April 2008 zum neuen Vorsitzenden gewählt worden war, hatte der Verein etwa 370 Mitglieder. Zur Fußballsparte mit einer Verbandsliga und einer Kreisoberliga-Mannschaft gehörten nach Angaben des bisherigen Pressesprechers Frank Dietrich auch sieben Jugendmannschaften. Außerdem gab es eine Jedermannsport-Abteilung. Diese kehrte nach Gökers Einstieg dem VfB allerdings den Rücken und gliederte sich dem damaligen Kinderturnverein im Stadtteil an, der sich daraufhin in TSV Süsterfeld-Helleböhn umbenannte. Etwa 100 Mitglieder traten damit aus dem VfB aus. Im Oktober hat der TSV zudem eine Jugendfußballsparte gegründet, in die ein Großteil der bisherigen VfB-Spieler wechselte. Wie viele Mitglieder dem brachliegenden VfB zuletzt angehörten, ist unklar. (rud)

Rubriklistenbild: © Foto: Koch

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