Erklärung der Albert-Schweitzer-Schule zu Missbrauch und Züchtigungen

Nach dem Missbrauch: Erklärung der Albert-Schweitzer-Schule

Der Tatort: Ein Pfadfinderinternat in Hofgeismar

Ein Lehrer der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule hat offensichtlich einen damals elf Jahre alten Schüler sexuell missbraucht. Das Opfer wandte sich nach jahrzehntelangem Schweigen an unsere Zeitung. In der Folge wurden weitere Missbrauchsfälle, die Horst S. begangen haben soll, bekannt.

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Kassel. Die Diskussion um sexuelle Übergriffe des inzwischen verstorbenen Lehrers der Kasseler Albert-Schweitzer-Schule (ASS), Horst S., hält an. Viele fragen sich, wie es kommen konnte, dass der Lehrer nach einem Aufenthalt an der Deutschen Schule in Barcelona wieder an der ASS unterrichten durfte.

Horst S. war nach Spanien gegangen, nachdem er auch als Pfadfinder-Führer wegen seiner Verfehlungen ausgeschlossen worden war. Auch am ASS war die pädophile Neigung von Horst S. vielen bekannt.

Nach HNA-Informationen findet man auch in der Personalakte von Horst S. keinerlei Hinweise darauf, warum er wieder in Kassel unterrichten durfte. Er war an der Schule, ging nach Barcelona und kam zurück - mehr ist aus der Akte offenbar nicht zu entnehmen. Mittlerweile hat die Albert-Schweitzer-Schule zu den damaligen Vorfällen eine Erklärung abgegeben.

Sie ist von der gesamten Schulgemeinde beschlossen worden und von der Schulleitung, dem Personalrat, dem Elternbeirat und den Schulsprechern unterzeichnet. Wir veröffentlichen die Erklärung in Auszügen. Sie ist in voller Länge auf der Homepage der Schule unter www.ass.medienzentrum-kassel.de zu lesen. Auszüge aus Erklärung „Wir fühlen mit den Opfern und betonen, dass es keine Entschuldigung für Missbrauch oder für körperliche Züchtigungen gibt....wir betonen, dass die heutige Schulgemeinschaft (...) nicht verantwortlich ist für die beschriebenen Taten und dass wir uns ganz ausdrücklich davon abgrenzen.

Die jetzt bekannt gewordenen Vorfälle vor mehreren Jahrzehnten machen uns sehr betroffen. Es ist auch für uns unfassbar, was von Lehrern der Albert-Schweitzer-Schule begangen wurde. Deshalb bleibt uns nur, mit den Opfern zu fühlen und mitzuleiden. Ihnen unser tiefes Mitgefühl auszusprechen, ist uns Verpflichtung und Bedürfnis. Viele der heutigen Lehrerinnen und Lehrer haben selbst unter dem falschen Verständnis und dem Unrecht ihrer damaligen Lehrerinnen und Lehrer in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gelitten (nicht nur an der Albert-Schweitzer-Schule und nicht nur in Kassel).

Zugleich aber wissen wir auch darum, dass viele der Pädagoginnen und Pädagogen in den sechziger und siebziger Jahren (und erst recht in den Jahrzehnten danach) sich intensiv um das Wohl der Schülerinnen und Schüler gekümmert haben. (...) Gerade angesichts des Anspruchs unserer Schule, den einzelnen Menschen in seiner Würde zu achten und ihm mit Vertrauen und Menschlichkeit zu begegnen, ist ein Vertuschen solcher Vorfälle nicht hinnehmbar. Der Schutz der Opfer hat höchste Priorität.“

Von Frank Thonicke

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