„Egal was kommt, damals wie heute Hitlersleute“

Kassel als Hochburg der Neonazis: Wer ist wer im Fall Stephan E.?

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Was hat er mit Stephan E. zu tun? Einen Tag nach dem Feuer in der Wohnung über ihm posierte der Rechtsradikale Mike S. auf dem Balkon des Mehrfamilienhauses in Bettenhausen und ließ sich von Medienvertretern fotografieren. Um seine Persönlichkeitsrechte zu schützen, haben wir ihn unkenntlich gemacht. 

Stephan E., der mutmaßliche Mörder des Regierungspräsidenten Walter Lübcke, soll Kontakt zu vielen anderen Neonazis gehabt haben. Wer ist eigentlich wer? Und wie gefährlich sind die Kasseler Rechten?

Eine Woche nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke kursieren immer mehr Namen aus der rechtsextremistischen Szene, die mit Stephan E. zu tun gehabt haben sollen. Wir haben die wichtigsten Fakten zu ihnen sowie zu Gruppen wie Combat 18 zusammengetragen.

Mike S.

Der 38-jährige Mike S. gilt als einer der wichtigsten Köpfe der nordhessischen Neonazi-Szene. Er soll die Kasseler Jugendorganisation Junge Nationalisten (JN) der rechtsextremen NPD mitgegründet haben und in der Kameradschaft Freier Widerstand aktiv gewesen sein.

Am späten Mittwochabend brannte eine Wohnung in dem Haus, in dem S. im Stadtteil Bettenhausen wohnt. Am Tag danach posierte er selbstbewusst auf dem Balkon und ließ sich bereitwillig von Medienvertretern fotografieren. Aus seinem Wohnzimmerfenster schaut eine lebensgroße Puppe im Bundeswehr-T-Shirt. Ein Kenner der Szene beschreibt ihn als „Selbstdarsteller und Narzissten“.

Dazu passt, dass er auf seiner Facebook-Seite ein Bild von sich und dem tatverdächtigen Stephan E. postete. Wenig später löschte er es und teilte mit: „Leider muss ich wohl Ausziehen!!! Suche was günstiges zum Behausen oder ein Garten.“ Mit uns wollte er nicht reden.

Michel F.

Der gebürtige Thüringer Michel F. war einst Weggefährte von Stephan E., will aber seit mehr als zehn Jahren keinen Kontakt zu ihm gehabt haben. „Aus der rechten Szene bin ich ausgestiegen“, sagte uns der 34-Jährige, der von Kopf bis Fuß tätowiert ist. Experten bezweifeln das. F. veranstaltet Partys und Konzerte für die Hardcore Crew Cassel, die in der Söhrestraße 1a am alten Bettenhäuser Bahnhof beheimatet ist. Auf deren Facebook-Seite heißt es: „Wir sind eine Bruderschaft, in der Treue, Respekt, Ehrlichkeit und Zusammenhalt groß geschrieben werden.“ Nach außen gibt sich die Crew unpolitisch, Kenner bescheinigen ihr jedoch Verbindungen in die Rechtsrock-Szene.

Bernd T.

Der 44-jährige Bernd T. ist wahrscheinlich der bekannteste Kasseler Neonazi. Schlagzeilen machte der gebürtige Norddeutsche unter anderem als Gründer der rechtsextremistischen Kameradschaft „Sturm 18“. Als die Vereinigung 2015 verboten wurde, hatten die Behörden fast 300 Straftaten von Mitgliedern überprüft. T. gilt als extrem gewalttätig. Die Liste seiner Straftaten ist lang. 1993 prügelte er mit einem Mittäter einen Obdachlosen tot. Zuletzt saß er wegen Nötigung und schwerer Körperverletzung im Gefängnis. Seit Mittwoch ist er auf freiem Fuß.

Kasseler Regierungspräsident Lübcke tot - Spurensuche in Istha

Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke tot aufgefunden
 © Hessennews.tv
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Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wurde tot aufgefunden
 © Monika Wüllner
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Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer
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Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer
Spurensuche am Haus des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke
Foto vom 7. Juni © Andreas Fischer

Stanley R.

Der ehemalige Kasseler Stanley R. soll Stephan E. bereits seit den frühen 2000er-Jahren kennen. Der Name des 43-Jährigen, der Mitgründer der Kameradschaft Sturm 18 ist, fiel auch im Münchner NSU-Prozess. 2006 soll er seinen Geburtstag mit den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Kassel gefeiert haben. Vor allem aber gilt R. als Anführer der gewaltbereiten Gruppe Combat 18. Zuletzt lebte er in Helsa. Mittlerweile soll er nach Eisenach gezogen sein.

Markus E.

Der Hooligan Markus E. soll einst in der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) aktiv gewesen sein, die 1995 verboten wurde. Heute sieht man den Fußball-Fan oft bei Spielen des KSV Hessen Kassel im Auestadion. Zuletzt kommentierte E., der sich auf seiner Facebook-Seite mit einem Kampfhund zeigt, einen Social-Media-Beitrag seines Freundes Mike S. mit dem Satz: „Egal was kommt, damals wie heute Hitlersleute.“

Lesen Sie auch: Nach der Verhaftung von Stephan E. in Kassel: Wie braun ist die Region?

Combat 18

Der Name Combat 18 steht für Kampfgruppe Adolf Hitler, abgeleitet von den Initialen des NS-Führers, also dem ersten und achten Buchstaben des Alphabets. Die in vielen europäischen Ländern aktive Organisation ist der bewaffnete Arm des rechtsextremistischen Netzwerks „Blood and Honour“, das seit den 1980er-Jahren versucht, Neonazi-Bands zu unterstützen, vor allem aber die NS-Ideologie zu verbreiten. Es soll auch den NSU maßgeblich gefördert haben.

Zu den Combat-18-Hochburgen in Deutschland zählt neben Dortmund und Thüringen auch Nordhessen. Szenekenner schätzen, dass die Gruppe in der Region etwa zehn Leute umfasst.

Combat 18 agiert nach dem Prinzip des führerlosen Widerstands. Es gibt also keine straffen Hierarchien, sondern kleine Terrorzellen, die unabhängig voneinander agieren.

Nach neuesten Erkenntnissen soll auch der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan E. Kontakt zu dieser Gruppe gehabt haben. Laut dem ARD-Magazin „Monitor“ belegen Fotos, dass er erst im März an einer konspirativen Combat-18-Veranstaltung im sächsischen Mücka teilnahm.

Oidoxie Streetfight Crew

Ursprünglich wurde die Oidoxie Streetfighting Crew als Security-Dienst der Dortmunder Rechtsrock-Band Oidoxie gegründet. Längst ist sie aber eine rechtsterroristische Vereinigung, gegen die der Verfassungsschutz ermittelt – unter anderem wegen der Beschaffung von Waffen. Auch Mike S. soll hier aktiv gewesen sein.

Der Band-Name ist ein Wortspiel aus dem Skinhead-Ruf „Oi“ und dem griechischen Wort „eudoxía“ für „guter Ruf“. Nach allem, was man derzeit weiß, hat Kassel bei Neonazis einen sehr guten Ruf. 

Lesen Sie auch: Gegen rechte Gewalt: 2500 Menschen demonstrieren in Kasseler Innenstadt

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