Polizei untersucht auch Profile des Verdächtigen in Sozialen Netzwerken

Nach Mord an 21-Jährigem in Kassel: Tatumstände sind noch immer unklar

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Kerzen für den ermordeten Shpetim Aloci: Besucher beim beeindruckenden Trauergottesdienst in der Matthäuskirche gestern Nachmittag in Niederzwehren.

Gut zwei Wochen nachdem der 21-jährige Shpetim Aloci aus Kassel in Niederzwehren auf offener Straße erschossen wurde, sind die Umstände und der Anlass der Tat noch immer unklar.

Der 26-jährige Verdächtige, der ebenfalls aus Kassel stammt, hat sich mittlerweile zu den Vorwürfen geäußert und die Tat abgestritten, bestätigt Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Er sitze wegen Mordverdacht in der Justizvollzugsanstalt Kassel in Untersuchungshaft. Nach dem Stand der Ermittlungen soll der Mann aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen gehandelt haben.

Bei den Ermittlungen würden auch die Profile des Verdächtigen in den Sozialen Netzwerken untersucht, so Thöne. Nach HNA-Informationen soll der 26-Jährige in den Tagen vor der Tat auf seinem Facebook-Profil eine Vielzahl an Posts veröffentlicht und geschrieben haben „die Zeit ist reif für jeden“.

Auch soll der Mann psychisch auffällig gewesen sein. Er selbst schrieb auf seinem Facebook-Profil, dass er seit zwei Wochen „sauber draußen“ sei.

Die Männer, die sich noch nicht lange gekannt haben sollen, sollen sich zuvor unweit des Tatortes an der Knorrstraße in der Nähe des Einkaufszentrums Dez aufgehalten haben und dort in Streit geraten sein. Daraufhin soll der 26-Jährige gegen 0.30 Uhr mehrere Schüsse auf Shpetim Aloci abgegeben haben. Nach Informationen der HNA soll er mindestens fünf Mal geschossen haben.

300 Trauernde beim Gottesdienst für Shpetim Aloci

Die Knorrstraße ist in den vergangenen Wochen für die Familie des ermordeten Shpetim Aloci zu einem „Ort des Schmerzes, aber auch des Trostes“ geworden. So nannte der evangelische Pfarrer Dietrich Hering den Tatort gestern bei einer Gedenkfeier für den 21-Jährigen in der Matthäuskirche.

Wo Aloci in der Nacht zum 1. August erschossen worden war, sind nun Fotos und Kerzen hinterlegt – als Gedenken an einen jungen Mann, wegen dem 300 Menschen in die Kirche in Niederzwehren gekommen sind. Es ist ein beeindruckendes Zeichen in einer Zeit, „in der es Liebe anscheinend schwer hat“, wie Hering sagt angesichts der Gewalttat „mitten auf der Straße hier in Niederzwehren“.

Blumen am Tatort: Shpetim Aloci wurde vor zwei Wochen in der Knorrstraße erschossen.

Die aus dem Kosovo stammende Familie sitzt in der ersten Reihe. Und selten sieht man so viele junge Menschen in einer Kirche – ob Christ, Moslem oder Atheist.

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Wer schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, weiß, dass sich der Schmerz kaum lindern lässt. Aber es kann trotzdem guttun, wenn man spürt, dass der Gestorbene anderen etwas bedeutet hat.

Shpetim Aloci muss sehr vielen Menschen sehr viel bedeutet haben. Die Fußballer des SV Germania Kassel hatten bereits ein Benefizspiel für die Familie veranstaltet – obwohl Aloci kein Vereinsmitglied war. Auch in der Kirche wird für die muslimische Familie gesammelt, die ihren Sohn im Kosovo beigesetzt hat.

Shpetim „war beliebt und geliebt“, sagt Pfarrer Hering in seiner berührenden Trauerrede. Er sei kreativ und aufgeschlossen gewesen, „ein einmaliger Mensch“. Der Hort in der Martinskirche „war wie eine zweite Familie für ihn“. Seine ehemalige Klassenlehrerin Pamela Seeger spielt Klarinette. Als Pianistin Franziska Reckert Eric Claptons Trauer-Song „Tears In Heaven“ spielt und singt, hört man in allen Reihen Schluchzen.

Später stellen die Trauernden Kerzen und Steine auf den Altar, auf dem auch Alocis Bild steht. Als der Gottesdienst nach einer halben Stunde zu Ende ist, bleiben die meisten noch minutenlang sitzen. Auch die Kirche ist nun zu einem Ort des Trostes geworden.

In der Knorrstraße, hat Pfarrer Hering beobachtet, steht ein Text zwischen den Blumen. Auf dem heißt es: „Wir sehen uns wieder.“ Nun sagt er: „So sei es.“

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