Nach Panne: Klinikum verschärft seine Hygiene-Standards

Kassel. Nicht nur die Gesundheitsbehörden, auch die Krankenhäuser selbst gucken nach den jüngsten Ereignissen offenbar genauer hin, wenn es um die Aufbereitung von Operationsbestecken geht.

„Wir sind alle unruhig geworden“, schildert die Geschäftsführerin des Rot-Kreuz-Krankenhauses, Elisabeth Deterding, die Stimmung in den Kliniken. Die Mitarbeiter seien noch mehr sensibilisiert und schauten noch genauer hin.

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Zudem habe man die Hygienestandards noch einmal einer strengen Kontrolle unterzogen und alle Abläufe der Instrumentenaufbereitung und -sterilisation intern und durch einen extern beratenden Krankenhaushygieniker erneut gründlich überprüft. Das Ergebnis sei beruhigend, sagt die Geschäftsführerin. Auch deshalb, weil man beispielsweise über zusätzliche Spezialprogramme zur Reinigung von Instrumenten mit speziellen Anforderungen und zur besonderen Vorbeugung verfüge. Zudem würden die Sterilisatoren einmal im Jahr von einer Fachfirma gereinigt.

Weil die Zahl der Operationen gestiegen sei, aber auch der Reinigungsaufwand für immer komplexer werdende Instrumente wachse, würden die sechs Mitarbeiter in der Sterilisations-Abteilung inzwischen auch an Samstagen arbeiten. Im Rot-Kreuz-Krankenhaus finden jährlich 6000 Operationen statt. Allein der Zentral-OP verfügt über 426 Siebe, die jeweils Sets mit 80 bis 100 einzelnen Instrumenten enthalten. „Wir müssen sehen, dass wir Schritt halten mit der Entwicklung,“ sagt Elisabeth Deterding.

An einen externen Dienstleister wolle man die Instrumentenaufbereitung nicht vergeben, betont die Geschäftsführerin. „Einen so sensiblen Bereich haben wir lieber selbst in der Hand.“

Aufwendig kontrolliert

So sieht das auch der Geschäftsführer des Marienkrankenhauses und des St.-Elisabeth-Krankenhauses Volkmarsen, Michael Schmidt. Angesichts der jüngsten Meldungen aus Fulda, Kassel und auch Eschwege „haben wir uns sofort noch einmal selbst überprüft“, sagt er. Volkmarsen sei ganz aktuell gerade vom Gesundheitsamt aufwendig kontrolliert worden.

Da man in beiden Häusern über recht neue Anlagen verfüge, sei man in der Selbsteinschätzung sehr optimistisch und sicher, sagt Schmidt. Auch die Vitos Orthopädische Klinik Kassel sieht die Reinigung und Sterilisation von Operationsinstrumenten als eine „Kernkompetenz mit hohem Stellenwert“, sagt Geschäftsführer Peter Lutze. Hier beschäftige man drei Mitarbeiter.

Operationen machen mit 60 Prozent den Hauptanteil der Fachklinik aus. Deshalb achte man besonders auf eine einwandfreie Aufbereitung der rund 600 OP-Sets. So gebe es jeweils doppelte Kontrollen. Und seit Langem gebe es eine Anweisung des Ärztlichen Direktors, alle Instrumente auch direkt vor der Operation noch einmal zu prüfen und im Zweifelsfall zurückzuschicken.

Von Martina Heise-Thonicke

Rubriklistenbild: © dpa

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