Männer überholten zivilen Streifenwagen

Nach illegalem Autorennen durch Kassel: Geldstrafe für die Angeklagten

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Ende eines Autorennens vor der roten Ampel: An der Sandershäuser Straße legten die beiden Männer ein Vollbremsung hin, die Polizei mit Blaulicht im Nacken.

Mit vermutlich über 150 Stundenkilometer sind zwei junge Männer im letzten November in ihren Autos über die Dresdener Straße gebrettert und haben sich gegenseitig überholt. Jetzt fiel ein Urteil.

Wegen eines verbotenen Autorennens wurden sie dafür gestern von Amtsrichter Dr. Holland zu Geldstrafen von 4250 Euro für den 25-Jährigen und 3600 Euro für seinen 23-jährigen Freund verurteilt. Außerdem wurden ihre Führerscheine eingezogen und dürfen frühestens in einem Jahr neu erworben werden.

Die beiden gebürtigen Kasseler hatte in der Stadt in einer Shisha-Bar gemeinsam geraucht und sich dann gegen 0.30 Uhr auf den Weg nach Niestetal gemacht, wo der 23-Jährige lebt.

Der ältere fuhr dabei einen 200 PS starken, geleasten Golf GTI, sein Freund - ein Lagerarbeiter mit einem Netto-Einkommen von 1400 Euro monatlich - war im eigenen BMW SUV mit 220 PS unter der Haube unterwegs.

Was dann geschah schilderten gestern vor dem Amtsgericht zwei Polizeibeamte, die in ihrem zivilen Streifenwagen vor der seit rund 30 Sekunden „rot“ zeigenden Ampel am Kleinen Kreisel standen: Plötzlich seien zwei Autos mit sehr hoher Geschwindigkeit links und rechts an ihrem Wagen „vorbeigeschossen“, hätten dann vor der Auffahrt zur Dresdener Brücke jeweils die Fahrspuren gewechselt, stark beschleunigt und seien Richtung Niestetal auf die Dresdener Straße gefahren. Die Polizisten schalteten Sirene und Blaulicht ein und holten alles aus ihrem Opel Zafira heraus. „Unser Digitaltacho zeigte 180, trotzdem wurde der Abstand zu den beiden Fahrzeugen noch größer“, sagte ein Beamter aus.

Vor der roten Ampel an der Sandershäuser Straße leiteten beide Fahrer eine Vollbremsung ein und stoppten. Der Streifenwagen setzte sich vor die hochmotorisierten PKW und beendete so die wilde Fahrt.

Vor Amtsrichter Holland bestritten die beiden Angeklagten, dass es sich um ein Autorennen gehandelt habe. Sicherlich sei man etwas schneller als die hier erlaubten 80 km/h unterwegs gewesen, keinesfalls aber mit 150 Sachen. Auch habe die Ampel grün gezeigt. Der Richter indessen hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass zwei Polizeibeamte auf Dienstfahrt längere Zeit vor einer grün zeigenden Ampel stehen bleiben. Die Aussagen der Beamten seien nicht anzuzweifeln.

Die beiden Verteidiger hatten in ihren Plädoyers Freispruch gefordert. Ihre Mandanten hätten keine Straftat begangen, sondern lediglich eine Ordnungswidrigkeit.

Die Staatsanwältin hatte noch höhere Geldstrafen gefordert. Es sei reines Glück gewesen, dass zu so später Nachtstunde keine anderen Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger unterwegs gewesen seien.

Der Richter verwies darauf, dass der Gesetzgeber die Strafen für illegale Autorennen im Jahr 2017 verschärft hatte. In Berlin waren Angeklagte nach einem Autorennen mit tödlichem Ausgang für eine unbeteiligte Frau wegen Mordes verurteilt worden.

So hart kam es gestern nicht, aber: „Sollten sie noch einmal wegen eines Rennens verurteilt werden, können die Autos eingezogen werden“, sagte Holland.

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