Nach Revision muss 21-jähriger Amateurboxer jetzt fünf Jahre ins Gefängnis

Kassel. Zu drei Jahren Gefängnis war 2010 ein 21-jähriger Amateurboxer vom Kasseler Landgericht verurteilt worden, weil er einen Mann fast umgebracht hatte. Die Staatsanwaltschaft war gegen das milde Urteil in Revision gegangen und hatte Erfolg.

Die 6. Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Angeklagten zu fünf Jahren Haft. Die Richter blieben aber unter der Forderung von Staatsanwalt Müller, der sieben Jahre beantragt hatte. Verteidiger Matthias Langefeld hatte Freispruch verlangt und diesen mit Notwehr begründet.

Der 44-jährige Betreiber einer Bar an der Unteren Königsstraße war so heftig zusammengeschlagen worden, dass er fast gestorben wäre. Schädelknochen waren zersplittert, Nervenstränge durchtrennt, die linke Körperseite ist leicht gelähmt. Nur die schnelle Hilfe der Ärzte hatte ihm das Leben gerettet, seitdem ist er arbeitsunfähig.

Er hatte Streit mit einem bereits verurteilten 46-Jährigen, der im Keller der Bar einen Dart-Club betrieben hatte. Der Besitzer der Immobilie hatte diesem gekündigt, was der Dart-Club-Betreiber als Ehrverletzung aufgefasst hatte. Der Bar-Betreiber musste es dann ausbaden. Gemeinsam mit dem 21-Jährigen stürmte der 46-Jährige in die Bar. Der 21-Jährige soll mit einem Barhocker auf das Opfer losgegangen sein. Er hatte im ersten Prozess behauptet, an jenem Tag gar nicht in der Bar gewesen zu sein. Im Revisionsverfahren gestand er jedoch, dass es anders war. Am Ende beteuerte er: „Ich hatte nicht vor, jemanden zu töten“. Er habe lediglich mit dem Barhocker geworfen, jedoch nicht damit zugeschlagen.

Richter Volker Mütze aber war überzeugt, dass der 21-Jährige „mit absoluter Gewalt und Vernichtungswillen“ auf den anderen Mann eingedroschen hat. Von Notwehr könne keine Rede sein.

Nicht der Bar-Betreiber, sondern der Angeklagte und sein Freund hätten angegriffen. Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 20 Jahre war, kam für ihn noch Jugendrecht infrage. Dabei geht es vor allem darum, jungen Verurteilten in der kürzeren Haftzeit dabei zu helfen, einen anderen Weg einzuschlagen.

Ausbildung begonnen

Der 21-Jährige, sagte Richter Mütze, müsse lernen, zu arbeiten, seine Zukunft selbst zu gestalten, aber auch mit Gewalt umzugehen. Vielleicht befindet er sich schon auf einem richtigen Weg. Er hatte vor Gericht berichtet, dass er während der Untersuchungshaft eine Ausbildung zum Tischler begonnen habe.

Von Ralf Pasch

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