Antworten auf die dringlichsten Fragen

Rossing-Absage: Stadt hat noch ein Druckmittel

35 Jahre alt und mittlerweile stark sanierungsbedürftig: Die Kasseler Eishalle ist die Heimat der Huskies. Nach Konzerten äußern Besucher und Künstler immer wieder Kritik am Gebäude. Foto: Herzog

Kassel. Warum ist der Verkauf der Eishalle gescheitert? Was hat das mit Salzmann zu tun? Wie geht es weiter? Viele Fragen - hier der Versuch, einige Antworten zu finden.

Was ist unklar zwischen dem Huskies-Eigner Dennis Rossing und dem Eishallen-Eigentümer Simon Kimm?

Die beiden hatten einen Vertrag. Der sah vor, dass Rossing die Halle zum 1. September für fünf Millionen Euro kauft. Entgegen der Absprache wollte Rossing den Kaufpreis aber über zehn Jahre in Raten bezahlen - das lehnt Kimm ab.

Wie begründet Rossing seinen Wunsch?

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Eigentlich wollte Rossing eine Multifunktionshalle auf dem Salzmanngelände bauen. Dafür hätte es Zuschüsse gegeben, von der EU und über den Denkmalschutz. Für die Sanierung der Eishalle bekommt er keine Zuschüsse. Deshalb muss er seine Finanzierung anders planen.

Wenn Rossing jetzt nicht fünf Millionen Euro für den Kauf der Eishalle hat, wie finanziert er dann deren Sanierung, die 14 Millionen Euro kosten soll?

Das fragen sich gerade viele - vor allem die Stadtverordneten und die Fans der Huskies.

Warum ist der Vertrag jetzt geplatzt?

Dennis Rossing konnte bis zum 31. August vom Vertrag zurücktreten. Nach seiner Darstellung hat Kimm in der vergangenen Woche nicht auf seine Gesprächsangebote reagiert. Aber warum war das zwischen den beiden nicht schon längst geregelt? Die Pläne für die Salzmann-Arena waren vor zwei Jahren gestorben, als die Huskies die Lizenz für die Deutsche Eishockey-Liga verloren hatten. Rossing hätte ausreichend Zeit gehabt, um sich mit Kimm zu einigen.

Warum hat Dennis Rossing sich darauf eingelassen, fünf Millionen Euro zu zahlen, wenn die Halle laut Gutachten nur 1,8 Millionen wert ist?

Das ist schwer zu beantworten. Im Oktober 2009 hatte Rossing mit Kimm einen Mietvertrage mit Kaufoption für die Eishalle geschlossen. Kimm hatte mit dem damaligen Huskies-Eigner Rainer Lippe keinen neuen Mietvertrag unterzeichnen wollen. Ohne Eis hätte es aber keine Huskies mehr gegeben, und ohne Erstliga-Eishockey hätte sich die große Multifunktionshalle wirtschaftlich nicht gerechnet - die wollte Rossing ja damals noch bauen.

Was hat die Eishalle eigentlich mit Salzmann und dem Technischen Rathaus zu tun?

Juristisch gar nichts, moralisch eine ganze Menge. Rossing hat vor einigen Jahren das Salzmann-Areal in Bettenhausen gekauft. Sein Plan, dort großflächig Einzelhandel einzurichten, scheiterte am Nein der Stadt. Die Idee, im denkmalgeschützten Gebäude mehrere Abteilungen des Bauamtes zusammenzufassen, war dann ein Rettungsanker für seine Investition. Rossing versprach: Wenn die Stadt die sanierten Räume für ein Technisches Rathaus miete, baue er eine große Halle für Sport und Konzerte.

Bricht Rossing jetzt sein Versprechen?

Es sieht so aus. Die Stadtverordneten haben nach langem Hin und Her dem Technischen Rathaus zugestimmt - im Vertrauen auf die Zusage Rossings. Dieser hat allerdings wie auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen später gesagt, man müsse beide Projekte einzeln betrachten. Hilgen sagt, der Ämterumzug müsse für sich genommen sinnvoll sein, auch ohne die Sanierung der Eishalle. Er wolle Rossing aber an dessen Zusage erinnern.

Aktuelle Bilder von der Halle

Bilder der Eissporthalle

Hat die Stadt dazu ein Druckmittel?

Im Prinzip schon: Der Mietvertrag bei Salzmann ist nämlich noch nicht unterschrieben. Ein Termin dafür steht auch noch nicht fest. Allerdings sind die Pläne für den Umbau des alten Gebäudes schon sehr weit gediehen, bisherigen Mietern wurde gekündigt.

Wie geht es jetzt weiter mit der Eishalle?

Dennis Rossing hat sein Angebot an Simon Kimm erneuert, er sei weiter gesprächsbereit. Kimm hat das Angebot aber schon vor Wochen als nicht akzeptabel bezeichnet. Die Halle gehört jetzt weiter Kimm, der Mietvertrag für die Huskies läuft bis Ende April 2013. Kimm hat vor einiger Zeit gesagt, im Jahr 2013 werde seine Familie das Kapitel Eishalle beenden. Andere Interessenten für die Eishalle sind allerdings nicht bekannt - und fünf Millionen Euro sind eine stolze Summe.

Von Uli Hagemeier

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