Landgericht

Nach Schneeballschlacht floss Blut - Haft für Angeklagten

Kassel. Der Begriff Schneeballschlacht verleitet zu diversen Assoziationen. Was im Dezember 2010 harmlos angefangen hatte, endete in einer handfesten Auseinandersetzung, bei der dann auch Blut floss.

Der mutmaßliche Täter war 2012 vor dem Amtsgericht wegen dieser und einer weiteren Tat zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Da er und die Staatsanwaltschaft dagegen in Berufung gegangen waren, wird die Sache neu aufgerollt. Seit Freitag befasst sich das Landgericht damit.

Kurz vor Weihnachten 2010 hatte sich der 28-Jährige mit Bekannten in der Fuldatalstraße eine Schneeballschlacht geliefert. Einer der harmlosen Bälle hatte ein vorbeifahrendes Auto getroffen. Der Fahrer und die beiden anderen Insassen des Wagens waren ausgestiegen, und aus dem Wortgefecht wurde dann schnell eine handgreifliche Auseinandersetzung.

Mit Messer verletzt

Der 28-Jährige, so hatte es das Amtsgericht festgestellt, soll zwei der Autoinsassen mit einem Messer verletzt haben, den einen am Bein, den anderen am Bauch. Das Amtsgericht verurteilte ihn außer zu einer Freiheitsstrafe auch zur Zahlung von Schmerzensgeld in einer Höhe von insgesamt 7000 Euro.

Es geht in diesem Komplex noch um einen weiteren Vorwurf: Der Angeklagte soll, bereits im Juli 2010, als Türsteher einer Kasseler Disco einen Gast mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf geschlagen und verletzt haben. Der 28-Jährige, der mehrfach einschlägig vorbestraft ist, hatte im ersten Prozess zu all dem geschwiegen. Ob er in der zweiten Instanz redseliger sein wird, steht dahin.

Das erste Verfahren war mit erheblichen Schwierigkeiten über die Bühne gegangen. Kurz nach dem Start des Prozesses vor dem Amtsgericht war die Richterin für längere Zeit erkrankt, deshalb musste das Verfahren mit einem neuen Richter von vorn beginnen, nach zehn Verhandlungstagen konnte endlich das Urteil gesprochen werden.

Auch das Berufungsverfahren könnte zäh werden. Am ersten Prozesstag misslang der Versuch einer Einigung. Anwältin Corinna Stieg, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Peyman Khalili die Verteidigung des 28-Jährigen übernommen hat, signalisierte, dass sie auf eine Reduzierung des Strafmaßes für ihren Mandanten aus ist. Sie verwies auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, wonach einem Angeklagten bei überlanger Verfahrensdauer ein „Rabatt“ im Strafmaß gewährt werden muss. Dies sei im Urteil des Amtsgerichts nicht berücksichtigt worden. Staatsanwalt Jan Uekermann sagte, dass beim Strafmaß für ihn keine Minderung in Betracht komme. Am 19. August soll der Prozess fortgesetzt werden, danach sind noch weitere fünf Termine geplant.

Von Ralf Pasch

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