Reihenfolge der Ereignisse strittig

Nach Schüssen am Kasseler Stern: Schoss der Täter das zweite Mal aus Notwehr?

Der Tatort am Stern: Laut Aussage des Opfers soll der Täter ständig eine Pistole bei sich gehabt haben. Die Bäckerei von Antonio Basak gibt es inzwischen nicht mehr. Archivfoto: Fischer

Kassel. Richter Klaus Döll, Vorsitzender der Abteilung 270 des Amtsgerichts, wird den neuen Prozess gegen den Schützen vom Stern auf seinen Tisch bekommen.

Das sagte der Sprecher des Amtsgerichts, Richter Mario Hirdes. Im vergangenen Herbst waren unter Vorsitz von Richterin Sabrina Müller-Krohe allein über ein Dutzend Zeugen gehört worden. Der ursprünglich auf vier Verhandlungstage angesetzte Prozess hatte sich über zehn Termine hingezogen. Jetzt ist der Schütze wieder auf freiem Fuß.

Reinhard Leis, der Düsseldorfer Verteidiger des Angeklagten, hatte nicht nur gegen die Richterin, sondern auch gegen beide Schöffen Befangenheitsanträge gestellt, denen allerdings nicht stattgegeben wurde.

Mehrmals hatte Rechtsanwalt Leis dem Prozess eine neue, unerwartete Wendung gegeben und mit seinem teils aggressiven Verhalten einmal sogar eine Sitzungsunterbrechung verursacht, als er sich mit dem Kasseler Nebenklage-Anwalt Werner Momberg heftige Wortgefechte lieferte. Letzterer bestätigte gegenüber der HNA die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt, durch die in dieser Sache wieder alles auf Anfang gestellt wurde.

Knackpunkt des neuerlichen Verfahrens wird die Frage sein, ob der zweite Schuss, der allerdings das Opfer nicht traf, von dem Schützen in Notwehr abgegeben worden war. Das hatte das Amtsgericht im damaligen Urteil verneint. Der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts möchte nun, dass eine mögliche Notwehr geprüft wird. 

In dessen Beschluss heißt es: Die Annahme, „der zweite Schuss sei weder erforderlich noch geboten gewesen, ist jedoch nach den getroffenen Feststellungen rechtsfehlerhaft“. Der Schütze habe sich möglicherweise bedroht gefühlt, als der Nebenkläger erneut einen Stuhl aus dem Außenbereich einer Bäckerei gegriffen habe. Diese neuerliche Bedrohung habe dazu geführt, dass der Angeklagte die zuvor weggesteckte Pistole wieder zog und den zweiten Schuss abgab.

So die Sicht des Oberlandesgerichts. Das Gericht hat nun beauftragt, zu prüfen, welche Handlung des jeweils anderen welche Reaktion provozierte. Schon im ersten Verfahren war die Reihenfolge der Ereignisse strittig gewesen.

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