Unbekannte flüchteten

Nach Schuss bei Tankstellenüberfall in Kassel: "Das ist echt heftig"

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Der Tatort: Der Kollege von Martin Ott und Sylvia Jürgens stand in der Nacht zum Dienstag hinter diesem Verkaufstresen, als einer der Räuber auf ihn schoss. .

Kassel. Als Sylvia Jürgens am Dienstagmorgen ihren Kollegen in der WK-Tankstelle an der Eisenschmiede in der Nordstadt ablösen wollte, sah sie das Pflaster auf der Stirn des Mannes. Daraufhin fragte sie ihn im Scherz: „Haben sie Dir in den Kopf geschossen?“ Der Kollege antwortete: „Ja, so gegen 4 Uhr.“

Mit dieser Antwort hatte Sylvia Jürgens natürlich nicht gerechnet. Sie wusste ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr Kollege zwei Stunden zuvor Opfer eines Raubs geworden war und einer der Täter ihn mit einer Schreckschuss- oder Gasdruckpistole im Gesicht und an der Schulter verletzt hatte. „Mein dummer Spruch war mir sofort unangenehm“, so Jürgens.

Später schaute sie sich auch das Video des Überfalls aus der Überwachungskamera an. „Da stehen einem schon die Haare zu Berge. Da bekommt man Gänsehaut, wenn man sieht, dass einer so auf einen Menschen ballert. Das ist echt heftig.“

Auf dem Video ist zu sehen, dass der bewaffnete Täter, der eine weiße Maske trägt, sehr nervös vor der Kasse steht. Einmal läuft er auch zurück zur Eingangstür, um zu gucken, ob jemand in die Tankstelle kommt. Dann kehrt er zur Kasse zurück. Offenbar dauert ihm das alles zu lange. Er nimmt seine Waffe und zielt zwei Mal auf den Kopf des Kassierers.

Sein Komplize, der neben ihm steht und eine Tüte in der Hand hält, wirkt ganz anders. „Der sieht aus wie ein Frischling bei seinem ersten Überfall“, sagt Jürgens. Die Mitarbeiterin der Tankstelle, die auch bei einer Esso-Tankstelle in Wehlheiden arbeitet, hat zum Glück noch nie selbst einen Überfall miterlebt.

Auch ihr Chef Martin Ott, der seit fünf Jahren Stationsleiter der WK-Tankstelle an der Eisenschmiede ist, ist selbst noch nicht von Räubern bedroht worden. Die letzten beiden Überfälle auf diese Tankstelle habe es im Februar und Oktober 2015 gegeben, sagt Ott. „Dass Räuber eine Waffe dabei haben, ist ja nichts Ungewöhnliches“, sagt er. Dass damit geschossen werde, allerdings schon. „Ich weiß nicht, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht.“ Die Räuber hätten seinem Kollegen auch ein Auge ausschießen können.

Mitarbeiter geschult

Seine Mitarbeiter seien geschult worden, wie sich bei Überfällen verhalten sollen, sagt Ott. Sie seien angehalten, das Geld, das schließlich versichert sei, herausgeben. „Ich weiß nicht, was die Räuber sich denken. Wir haben ohnehin keine Unmengen von Geld in der Tankstelle.“ Er habe allerdings schon einmal darüber nachgedacht, ein geschlossenes Kassensystem, wie es eins bei Edeka Aschoff an der Frankfurter Straße gibt, zu installieren. Da sei es nicht möglich, an das Geld zu kommen. Ott hat allerdings Zweifel, ob so ein System die Räuber wirklich abschreckt. „Dann verlangen sie Zigaretten statt Geld.“

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