Ein fleißiger Schutzengel

Beim Tauchen in Schiffsschraube geraten: Blutspende rettete ihr Leben

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Hochmotivierte Patientin: Im Reha-Zentrum des Klinikums macht Rebecca G. gute Fortschritte. Dreimal in der Woche kommt sie hierher zur Behandlung und zum Training. Auch Dr. Manfred Raible freut sich über die Therapieerfolge.

Kassel. Konzentriert stemmt Rebecca G. die Gewichte des Trainingsgerätes mit ihren Beinen, auf denen sie seit einigen Wochen auch ohne Gehhilfen wieder laufen kann. Mehr als ein Jahr ist nach ihrem schweren Tauchunfall auf den Malediven vergangen, bei dem sie mit ihren Beinen in eine Bootsschraube geraten war.

„Ich habe einen ganz fleißigen Schutzengel“, sagt sie, als wir sie bei einer Trainingseinheit besuchen.

Ihr Leben retteten damals die Blutspender, die sich nach einem Aufruf ihres Mannes und eines Hotelangestellten im Radio und Internet meldeten. Durch den schweren und offenen Trümmerbruch hatte die heute 31-Jährige einen lebensbedrohlichen Blutverlust erlitten. Und in der Klinik im Malé gab es keine Blutkonserven in ihrer relativ seltenen Blutgruppe A negativ.

Rebecca G. ist dankbar, dass ihr acht einheimische Blutspender das Leben gerettet haben. „Seitdem gehen alle, die dürfen, in meiner Familie und Freundeskreis zum Blutspenden“, sagt die zierliche junge Frau, die vor ihrem Unfall selbst regelmäßig zur Blutspende ging, um für Reserven ihrer seltenen Blutgruppe zu sorgen.

13 Operationen hat Rebecca G. seither überstanden. Der offene Trümmer-Defekt-Bruch des linken Unterschenkels und die schweren offenen Verletzungen beider Sprunggelenke mussten behandelt, Haut- und Muskellappen verpflanzt werden, um den freiliegenden Knochen abzudecken, erläutert Dr. Manfred Raible, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie. Sechs bis acht Wochen bangte die Patientin damals um ihr Bein, bis Raible die erlösende Nachricht überbrachte, dass es gerettet sei.

Ein solcher Heilungserfolg gelinge nur, wenn der Patient richtig mitarbeitet und nicht aufgibt, betont Raible. Natürlich seien die Chancen bei jüngeren Patienten auch besser.

„Ich habe nie ans Aufgeben gedacht“, sagt die 31-Jährige aus dem Landkreis Kassel. So kämpfte sich die junge Frau mit Zuversicht zurück ins Leben. Sie habe sich ein Vorbild an Bekannten und Freunden genommen, die selbst viel Kraft aufgebrachten, um schwere Verletzungen und Krankheiten zu überwinden.

„Man genießt das Leben viel mehr.“

„Man sieht das Leben ganz anders und nutzt die zweite Chance, die man bekommen hat. Man genießt das Leben viel mehr“, sagt die lebensfrohe junge Frau. Insofern habe sie der schwere Unfall schon verändert.

Rebecca G. hadert nicht mit dem, was geschehen ist, nimmt auch ihre Narben an. „Im Februar saß ich noch im Rollstuhl“, sagt sie. Seit Juni kommt sie ohne Gehhilfen aus. Auch ihre berufliche Eingliederung hat sie kürzlich begonnen.

Irgendwann, so hofft sie, wird sie wieder tanzen können. Und auch zur Blutspende möchte sie wieder gehen.

Von Martina Heise-Thonicke

Archivvideo: So funktioniert die Blutspende

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