"Im Notfall dranbleiben"

Nach dem schweren Unwetter: Tipps vom Leiter der Feuerwehr-Leitstelle

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Thomas Schmidt

Kassel. Am Dienstag während des Unwetters kamen einige Betroffene unter der 112 bei der Feuerwehr stundenlang nicht durch, weil so viele Anrufe eingingen. Bei einem vollgelaufenen Keller ist das nicht so schlimm. Was aber, wenn es brennt und die Leitungen sind überlastet?

Wir sprachen mit Thomas Schmidt, Leiter der Feuerwehrleitstelle in Kassel:

Wie viele Leitungen gibt es, um bei der Feuerwehr Notrufe entgegenzunehmen? 

Thomas Schmidt: Es gibt mehr Leitungen als wir gleichzeitig bedienen können. Wir haben 42 Notrufleitungen in der Leitstelle, die für Stadt und Kreis Kassel zuständig ist. Es gibt aber nur zehn Arbeitsplätze. Es können also maximal zehn Einsatzbearbeiter gleichzeitig Anrufe entgegennehmen.

Was mache ich, wenn ich bei einem Brand nicht durchkomme? In solchen Fällen zählt jede Minute.

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Schmidt:
Eigentlich sollte jeder Notruf innerhalb von neun Sekunden angenommen werden. In einer Unwettersituation wie am Dienstag, wo Hunderte gleichzeitig anrufen, ist das nicht möglich. Wenn aber ein Anruf mehr als 20 Sekunden in der Leitung hängt, geht er sozusagen in den Drängelmodus. Er bekommt einen anderen, penetranten Klingelton und es erscheint auf einer Leuchttaste in der Leitstelle ein Ausrufezeichen, das die Dringlichkeit anzeigt. 20 Sekunden können den Betroffen in einer Notsituation, wo sie im Stress sind, wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Viele verlieren dabei die Nerven und legen zu früh auf. Es ist aber wichtig dranzubleiben.

Wie könnte man Anrufer in solchen Extremsituationen noch schneller zu bedienen?

Schmidt: Es ist personell und technisch schlicht nicht möglich in der Leitstelle eine solche Masse an Anrufen gleichzeitig anzunehmen. Normalerweise gehen an einem Tag rund 1000 Notrufe ein. Am Dienstag waren es allein zwischen 20 und 1 Uhr etwa 2500. In solchen Ausnahmesituationen lässt sich eine etwas längere Wartezeit nicht vermeiden. (rud)

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