Nach sechs Jahren im Bergpark: Bauleiter vom Herkules geht

Kassel. Sechs Jahre lang war er der Ansprechpartner für alle Fragen zur Herkules-Sanierung. Eigentlich wollte Bauleiter Heinz Wirdl vom Hessischen Baumanagement dieses Mammutprojekt noch zu Ende bringen.

Aus dem Archiv: Neue Panoramafenster

„Am Anfang dachte ich, dass es schneller geht, aber daraus wird nichts“, sagt Heinz Wirdl. Der 62-Jährige verabschiedet sich in den Ruhestand und sagt: „Der Herkules war die größte Herausforderung meines Berufslebens.“

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Wer mit dem drahtigen Bauingenieur über die Baustelle gegangen, über Gerüste geklettert und sogar in die Herkulesfigur hineingestiegen ist, hat einen Eindruck von dieser Herausforderung bekommen. Am Herkules darf nicht jeder arbeiten. Einige der Steinmetze, die hier im Einsatz sind, haben auch die Frauenkirche in Dresden wieder aufgebaut. Vom Geologen bis zum Prüfstatiker waren es täglich bis zu 30 hoch qualifizierte Fachleute, die immer wieder Fragen an den Bauleiter hatten.

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„Ich will nicht sagen, dass es jeden Tag Überraschungen gab, aber es waren doch eine ganze Menge“, sagt Wirdl. Unerwartete Schäden hinter dem dicken Mauerwerk des Oktogon, Hohlräume, wo eigentlich Tuffstein hätte sein sollen und unterhalb eines Gewölbes ein kleiner See, in dem sich das Regenwasser sammelte. Das fast 300 Jahre alte Bauwerk hat es in sich. Trotzdem sagt Wirdl: „Der Herkules ist mir ans Herz gewachsen.“ Wohl auch deshalb, weil er in den vergangenen Jahren hautnah miterlebt hat, wie sehr die Kasseler an ihrem Herkules hängen. Selbst an einem grauen und kalten Novembertag kamen sie zu tausenden zum Tag der offenen Baustelle.

Aus dem Archiv: Pyramide wieder offen

Wirdl hätte den Herkules auch gern für Menschen zugänglich gemacht, die nicht mehr gut zu Fuß sind oder im Rollstuhl sitzen. Ursprünglich sei einmal geplant gewesen, einen gläsernen Fahrstuhl vom Erdgeeschoss bis zur Besucherplattform einzubauen. Er könne aber verstehen, dass die Denkmalpflege das abgelehnt habe. „Die Zusammenarbeit war ausgesprochen konstruktiv“, sagt er. Als Beispiel nennt Wirdl die neuen Fenster in der Pyramide, die ein echter Gewinn seien. So lange der Baufahrstuhl noch in Betrieb sei, könne man den vielleicht für einen Herkules-Besuch von Rolli-Fahrern nutzen. „Ich kann das nicht mehr umsetzen, werde es aber meinem Nachfolger mit auf den Weg geben, sagt Heinz Wirdl.

Wer dieser Nachfolger sein wird, ist noch nicht klar. Die Ausschreibung läuft bereits. Bis zur Besetzung gibt es eine Übergangslösung.

„Heinz Wirdl war ein Glücksfall für den Herkules“, sagt der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Prof. Bernd Küster. Der Bauleiter verabschiedet sich mit einem lacheneden und einem weinenden Auge. „Ich komme zurück“, sagt er, „aber nur als Besucher.“

Von Thomas Siemon

Rubriklistenbild: © Herzog

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